Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1910
- Issue
- 12 (8.1910)
- Date
- 1910-08-01
- Page
- Seite 197 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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197 konnten den todesmutigen jüdischen Kriegern nicht widerstehen. Aber bald zeigte eS sich, daß Bar Kochba nicht auf den Beistand Gottes seine Hoffnung setzte, daß er lediglich der eigenen Macht vertraute. Da wandte stch R. Akiba von ihm ab; seine Scharen mußten der römischen Uebermacht weichen, und die letzte Festung, in welche er sich zurückgezogen hatte, Betar, wurde am 9. Aw durch Verrat eingenommen. Furchtbar war das Blutbad, das die Feinde unter den Juden anrichteten; und selbst das Begräbnis verweigerte man den im Kampfe Gefallenen, fie blieben unbestattet liegen, bis ein menschlicherer Herrscher zur Regierung gelangte und — am 15. Aw — die Leichen zu begraben erlaubte. Zur Erinnerung daran wurde den ursprünglichen drei Segensprüchen des Tischgebets, der vierte, s'ooni 2ivn hinzugefügt, der sich an die Bitte um Wiederherstellung Jerusalems (d’^pit nj2i) anschließt und ausspricht, daß wir, wie -alle Wohltaten, so auch diese Wiederherstellung von dem Beistände Gottes erwarten und nicht auf gewaltsame Weise, durch eigene Macht herbeiführen können: Mb 2'v' «in 2'v'v «in rovi «in, er allein ist's, der Urheber unsres nationalen Glückes war, ist und sein wird. Noch eine Bemerkung knüpfen die Talmudlehrer an diese verschiedenen Begründungen der Feier des 15. Aw. Bon diesem Tage an, soll man wieder beginnen, einen Teil der Nacht dem Torastudium .zu widmen. Es heißt zwar im allgemeinen «dviS kS« «'S’S «12'« «^ btt Nacht soll der Beschäftigung mit dem Gotteswort gewidmet sein. Aber während des Hochsommers bedarf der Mensch der wenigen Nachtstunden zur körperlichen Erholung. Um die Mitte des Monats jedoch beginnen die Nächte wieder länger zu werden, und da soll wiederum ein Teil der Nacht der Tora geweiht sein. Ist sie ja das Licht, das Israel in der langen Nacht des Exils leuchtete, der Quell, aus dem unserem Volk die Lebenskraft zuströmte zu allen Zeiten. II. LL 3p Ins der Ätztmder Ssmmisßsa fSr ländliche Wshlfahrtspßege am 31. Aull 1910. Am Sonntag den 31. Juli fand zu Frankfurt a. M. eine Sitzung -unserer Commission statt, an der die Herren Louis Kahn jr. als Vorsitzender, I. Rosenheim und I. Strauß als Vertreter des Vorstandes >und von den Mitgliedern die Herren Lehrer Ehrenreich-Langenselbold, I. Gabriel-Posen, Arthur Meyer-Gelnhausen, Lehrer Wertheimer- Hardheim, PH. Wolf-Frankfurt a. M., Dr. Würzburger-Rappenau, ferner als Gäste und Sachverständige die Herren Hauptlehrer Seligmann-Müllheim und Landwirt Nußbaum-Halberstadt teilnahmen. Hauptgegenstand der Beratungen bildete die Frage der landwirtschaftlichen Betätigung der jüdischen Landbevölkerung als Mittel zur Hebung ihrer wirtschaft- .lichen Lage und zur Bekämpfung der Landflucht. Mehr oder minder ein-