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Jüdischer Volksbote · 1910-06-01 · 11 (6.1910) · p. Seite 186

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Journal
Jüdischer Volksbote
Volume
1910
Issue
11 (6.1910)
Date
1910-06-01
Page
Seite 186 (sequence 12)
Language
German
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186' ist so groß, wird aber dennoch in der jüdischen Küche leider oft so sehr verkannt, daß wir ihr später eine besondere Darstellung widmen wollen. Besonders das Gemüse gilt immer noch als eine minderwertige und entbehrliche Speise; ja es gibt Familien, in denen zwar täglich die Bouillon, aber wohl nur einmal wöchentlich Spinat oder Gelberüben auf dem Tische erscheinen. Wenn wir im vorigen Kapitel empfahlen, im Allgemeinen nur höchstens einmal täglich Fleisch zu effen, so ist nicht zu vergessen, daß auch Aufschnitt, Wurst u. dgl. hierbei mit berücksichtigt werden muß. Die Wurst stellt ja eine sehr bequeme Fleischzubereituug dar, da sie in geringer Menge käuflich und stets zum Genuß fertig ist. Aber sie wird meist als Fleisch nicht mitgerechnet. Man hört oft die Angabe, daß jemand nur einmal täglich Fleisch effe, findet aber bei näherer Ausfragung, daß er seit Jahren gewohnt ist, in einer Panse während des Vormittags Wurstschnitten zu effen, während er ein milchiges Abendbrot nicht für vollwertig hält, sondern auch da Wurst oder Aufschnitt genießt. Mittags aber ißt er — und oft auch seine jungen Kinder — neben diesem morgenlichen und abendlichen Fleischkonsum noch „richtiges* Fleisch, und oft darf auch die tägliche Bouillon nicht fehlen. Das ist eine unsinnige Art der Ernährung. Natürlich sind die Fleischsorten umso schädlicher, je stärkere Gewürze sie enthalten. Scharfe Bratensaucen, Rouladen, stark gepfeffertes und geräuchertes Fleisch, zumal im Verein mit reichlichem Verbrauch von Senf, Meerrettig u. s. w. schaffen die Grundlage für nianche chronische Erkrankung späterer Jahre. Man vergeffe nicht, daß auch die milchige Nahrung reichlich Eiweiß enthält, also eine Verarmung des Körpers an Eiweiß dabei nicht eintreten kann. Wir erinnern nur an die Milch, das Ei, und besonders an den Käse. Das Ei ist überhaupt ein schätzenswertes Nahrungsmittel. Es enthält bei kleinem Umfang hohen Nährwert und ist, selbst wenn es durch Dutzende von unsauberen Fingern gegangen ist, immer absolut sauber, da uns bekanntlich ein jedes Ei von der Natur in tadellos schließender Extraverpackung geliefert wird. Allerdings ist dieses Nährmittel im Verhältnis zu seinem Nährwert ziemlich teuer. Man hat früher die Bedeutung des Eies für die Ernährung des Kindes überschätzt, ähnlich, wie die Bedeutung der Milch. Gab man doch den Kindern im 2. nnd 3. Lebensjahr 2 Liter Milch und mehr, und das berühmte Ei mit Zucker galt als bewährtes Kindernährmittel. Es ist aber ratsam, in diesem Alter nicht mehr als ‘|s— 3 4 Liter Milch zu geben, das Ei aber überhaupt nicht täglich zu verabreichen, dafür die Stärkestoffe (Suppen, Reis, Gries, Zwieback u. s. w.) sowie Gemüse und Obst, (Obst, nicht Compott) umso reichlicher und häufiger zu geben. Auch der zu reichliche Fettgenuß ist sehr zu widerraten. Die in zu reichlichem Fett schwimmende „Kugel* ist ebensowenig appetitlich wie hygienisch. Es ist übrigens ein Irrtum, anzunehinen, daß die Anfettung des Menschen, die Ansetzung von unverbrauchtem Reservefett, hauptsächlich

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