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Jüdischer Volksbote · 1910-06-01 · 11 (6.1910) · p. Seite 183

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Journal
Jüdischer Volksbote
Volume
1910
Issue
11 (6.1910)
Date
1910-06-01
Page
Seite 183 (sequence 9)
Language
German
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183 unabhängig von dem in Europa herrschenden Zwang, bereits bestehende Schulpläne zu befolgen, unabhängig von dem Zwang, für jüdisches Wissen nur so viel Zeit zu verwenden, als im Rahmen jener bereits mit Stoff überlasteten Schulpläne noch übrig bleibt. Das Lehrziel sei nicht etwa die bloße Erhaltung praktischer Frömmigkeit ohne tiefere minn ny'T, sondern es müsse, wenn man nicht' ein Am-Haareztum züchten wolle, das in Palästina noch gefährlicher sei als in Europa, mini naS, unsere höchste Kultur, sowol quantitativ, als dem Bildungswerte nach, unbedingt Hauptsache und M i ttäpunkt des Unterrichts bleiben. Die engste Fühlung mit den berufenen rabbinischen Führern sei aufrechtzuerhalten und ihre Autorität, in der wir die .niTi ehren, zu festigen. Zunächst stehe er vor der Aufgabe, in Pethach Tikwa selbst nach diesen Prinzipien eine im besten Sinne des Wortes m oderne, wahrhaft jüdische -Elementarschule zu schaffen, in welcher die Erfahrungen der heutigen Pädagogik und Didaktik den eigenartigen Verhältnissen der jüdischen Kolonistenkiuder anzupassen sind. Es sollen Jehudim herangezogen werden, die ihren Stolz darein setzen, Bauern im Heiligen Lande zu sein, ausgerüstet mit. gründlicher jüdischer und allgemeiner Bildung, vorbereitet für ihren künftigen Beruf. „Non multa sed multum“ ist hierbei die Devise. Neben einem ausgedehnten ,11171-Unlerricht solle in den Realien ungefähr das erreicht werden, was eine gut deutsche Volksschule ihren Zöglingen bietet. Natürlich ist das Muster nicht einfach kopiert worden. Sowohl bezüglich des naturkundlichen wie auch das geographischen Unterrichtes sind die Verhältnisie Palästinas in erster Reihe zu berücksichtigen. Im Rechenunterricht muß das kaufmännischen Rechnen stärker betont werden, denn der jüdische Kolonist muß gleichzeitig Kaufmann sein, sonst kann er es nicht vorwärts bringen. Wie in deutschen Schulen die Gesinnungsfächer — Religion, Geschichte und Muttersprache — die Hauptzeit in Anspruch nehmen, so ist ihnen auch in der Talmud-Thora zu Petach Tikwah die weitaus größte Stundenzahl eingeräumc. Wohl werden Geschichte und Muttersprache — natürlich Hebräisch — in de» oberen Klassen auch in besonderen Stunden behandelt, der Hauptunterricht in diesen Disziplinen liegt aber, den tatsächlichen Verhältnissen entsprechend, in den rnp 'H2^> (Bibel, Talmud rc.) Der Grundsatz, „jeder Unterricht ist Sprachunterricht", findet seine Anwendung, wenn die Kinder beim rsin und L'it"2Z-Unterricht dazu angehalten werden, die Erklärung in gutem Hebräisch zu geben. Da die in Erez Jisroel gekorenen Kinder sämtlich Hebräisch verstehen und sprechen, konnte der Jargon als eigentliche Unterrichtssprache ver sch winden. Mit Rücksicht auf die Schüler die erst später aus Osteuropa hier eingewandert sind, muß vorerst allerdings zuweilen auch noch Jargon benutzt werden. Ein eigentlicher A n s ch a u u n g s u n t e r r i ch t wird nur in der untersten Klaffe, deren Schüler fast ausschließlich noch nicht das sechste Lebensjahr vollendet haben, erteilt. Hier lernen die Kleinen Lesen,

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