Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1910
- Issue
- 11 (6.1910)
- Date
- 1910-06-01
- Page
- Seite 181 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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181 ters mit einer größern Frische und Zugkraft ausgestattet ist, als die modernen Erzeugnisse der geistigen Werkstätten, die auf dem Gebiete der .Religion und Moral arbeiten. Wie arm sind wir, daß wir den ReichtumJsraels nicht kennen, denReichtumderThora! In der Thora zu lernen und zu forschen, das sei unsere Lust. Nach ihrer Erkenntnis und ihrer Weisheit sollen wir begierig sein, wie der Bräutigam in heißer Sehnsucht den Tag erwartet, an dem er verbunden' wird mit dem Weibe, das er liebt, mit der ganzen Glut seines jugendlichen Herzens. Das Hoffen und Harren scheint Vielen noch schöner als die Erfüllung, die Brautzeit glücklicher als die Ehe. Ist das auch wirklich wahr? Scheint einem liebenden Paar nicht jeder Tag verloren, an dem sie nicht vereinigt waren? Kann es ein verheißungsvolleres Leben geben, als die treue Hingebung von Mann und Frau, die an sich selbst vergessen, um an den Andern zu denken, dieses beständige, zärtliche Sorgen des Einen um den Andern, dieses holde Ertragen, dieses göttliche Segenbringen? Darum sagt Koheleth: Wenn Einer das Glück gefunden hat — und gibt es denn ein Glück, das nicht die Thora wäre, hat einer den Bund mit der Tora geschlossen, so ist er selig zu preisen, wie einer der ein liebes Weib gefunden hat. Und einer unserer Weisen fügt hinzu: Was für ein Ruhm für die Frau, daß das Glück ihres Besitzes mit dem Erwerb der Thora verglichen wird! Was aber Mann und Frau so eng zusammenschließt, das ist die Sorge um das Kind. Was Israel mit der Thora verknüpft, das ist die Rücksicht aus unsere Kinder. Lasset unsDankanstimmen de in lieblichen Feste, daß es in unsernKreis gekommen, es wird uns lehren, die Thora zu lieben, uin unsere Kinder zu charakterfe st en Menschen zu erziehen. Roch im Grabe werden unsere Lippen lispeln von den Worten der Thora, die unsere Kinder uns Nachreden. Haben die Weisen der Thora uns nicht gesagt: Liebet dieThora, dann wird der Tod euch nichtsanhaben! W. Reiseeindriidte aus den judäiscben Kolonien. Jaffa, den 1. März 1910. Wer als Bewohner des heiligen Landes von Zeit zu Zeit aus dem „Qualm der Städte" in die freie Luft der Kolonien hinauswandert, der wird in der Regel mit gemischten Gefühlen heimkehren. Es ist herze r-