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Jüdischer Volksbote · 1910-06-01 · 11 (6.1910) · p. Seite 178

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Journal
Jüdischer Volksbote
Volume
1910
Issue
11 (6.1910)
Date
1910-06-01
Page
Seite 178 (sequence 4)
Language
German
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178 fest! Die Natur hat ihre Boten ausgesandt, dich zu begrüßen, liebliche Düfte, goldenes Sonnenlicht, Farbenglanz und Blütenpracht, Frühlingslust und Frühlingslieder. Das schönste Licht aber, die freieste Lust, das reinste Glück, den prächtigsten Glanz, den bringst du selber mit; es ist das Himmliche, Göttliche, Ewige, der Ruhm Gottes und Israels und der Menschheit — die Thora. Gott hat die Menschheit am Peßach bereichert, indem er in die Reihen der Völker ein neues Volk eingefügt, das Volk Israel. Am Schewuos hat Gott der Menschheit „ein neues Geschenk" verliehen, die Thora. Durch die Thora hat er das junge Volk gekrönt, wie man einen König zuerst ausrust und später krönt. Bei unserm Lehrer Moscheh trat diese Krönung auch äußerlich in die Erscheinung durch das Strahlenbündel, das von seinem Antlitz ausging. Jeder andere Sohn Israels empfand die Krönung in seinem gehobenen Sinn, in der Heiligung seines Willens, in der Milde seines Herzens, in der Schärfung seines Geistes, kurz außer in dem nationalen Stolze, in dem Bewußtsein eines hohen, reinen Menschentums. Auf diese Weise trug jeder Jude gewissermaßen eine doppelte Krone auf seinem Haupt. Der Entschluß, Gottes Wille zu begreifen und zu erfüllen weihte Israel zum Priestervolk. Diese Weihe war seine Krönung, und zugleich der Ansporn zur Verbrüderung. Als Mosche vom Berge herabkam, um vor der Offenbarung dem Volke die Bundesacte vorzulegen, da scheute er sich vielleicht, der großen Masse des Volkes das hohe, schwere Gebot sittlicher Heiligung und priesterlicher Lebensführung aufzuerlegen. Er wandte sich daher zunächst an die breiten Schichten und sagte ihnen: „Wenn ihr auf Gottes Stimme höret und seinem Bunde die Treue bewahret, so werdet ihr Gott ein Kleinod unter den Völkern sein." „Ihr aber, sagte er, indem er sich an die Großen und Aeltesten richtete, ihr aber sollt mir ein Reich von Priestern und ein heilig' Volk sein." Das Volk aber, von einer hohen sittlichen Begeisterung emporgetragen, und entschlossen mit Leib und Leben, mit den Sinnen und dem Geiste ganz den Anforderungen und Grundsätzen des göttlichen Gesetzes anzugehören, das ganze Volk, von dem heiligen Eifer ergriffen, sich zur höchsten Stufe geistiger Bildung emporzuschwingen, das ganze Volk rief wie ein Mann: Alles was Gott geredet hat, wollen wir erfüllen. Alle wollen wir die gleiche schwere Pflicht auf uns nehmen und an der Süßigkeit ihrer Ausübung uns erquicken. Seitdem ist unser Volk solidarisch verbrüdert, seitdem ist die Thora Gemeingut des Volkes, seitdem stellt die Thora an Jeden die gleiche Ausgabe, in priesterlichem Beruf seinen Kindern, seinen Brüdern, seinen Mitmenschen durch gutes Beispiel voranzuleuchten, seitdem hat Jeder mit der Pflicht die Thora zu erlernen, das Anrecht erworben, sich mit der schönsten Krone zu zieren, die

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