Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1910
- Issue
- 11 (6.1910)
- Date
- 1910-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Uo 11. Frankfurt a. M., Siwan 5670 — Juni. 1910 Organ der Commission für Ländliche Wohlfahrtspflege oer Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums. Cboralemen. Tage und Wochen haben wir gezählt von Peßach bis zum Schewuosfeste, Tage und Wochen wie Leute, die ein fröhliches Ereignis erwarten. Zu langsam verrannen uns die Tage, träge strichen die Wochen dahin, wir hätten das Rad der Zeit beflügeln mögen, um schneller dem fröhlichen Tage entgegen zu eilen, der der Geburtstag unserer Thora ist. Allerdings hat die Leidensgeschichte unseres Volkes ihre Schatten sogar auf diese selben Tage geworfen. Die Jünger unseres großen Meisters R. Akiba, schon vom Lichtglanze der Thoraweisheit umflossen, starben in diesen Tagen dahin. Mit ihnen wurden herrliche Blüten und reiche Hoffnungen Israels begraben. Im Mittelalter fielen blühende jüdische Gemeinden in dieser Zeit den Scharen der Kreuzzügler zum Opfer. Auch hier bewährt sich die bittere Golusweisheit: Seitdem wir vom heimatlichen Boden getrennt sind, ist keine Freude mehr voll und rein. Selbst in diese schönsten Wochen des Jahres schleichen sich wehmüttge Erinnerungen, und traurige Töne trüben die festliche Stimmung. Nun aber ist der Wonnemonat, der Monat Siwan, erschienen, da bricht sich die Freude Bahn und überwindet jede Betrübnis. Höher und schneller schlägt das jüdische Herz vor Glück. Was pochst du so stürmisch, du ungeduldig Herz, sei ruhig und still, bis du ganz der Freude schlagen kannst! Denn , auch das junge, von Freiheitslust durchwehte jüdische Volk mußte drei Tage sich sammeln, bevor es am flammenden Sinai seinen König schauen durfte. Nun aber bist du da, liebliches Schewuos-