Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1910
- Issue
- 10 (4.1910)
- Date
- 1910-04-01
- Page
- Seite 170 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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170 womöglich .noch gesünder", an einem Tage zweimal Fleisch zu effen. Es ist weit gesünder, nur. ausnahmsweise an einem Tage zweimal, an ö Tagen der Woche nur einmal, an 2 Tagen der Woche überhaupt kein Fleisch zu effen'). Nicht nur, daß man sich bei solcher Diät arbeitskräftiger fühlt nnd weniger leicht ermüdet, man beugt auch der Entstehung gewiffer chronischer Krankheiten vor, von denen noch die Rede sein soll. Was man wirklich an Eiweiß braucht, ist so wenig, daß es schon vom winzigsten Fleischgenuß — im Sinne unseres Normal-Appetits gesprochen — reichlich gedeckt wird. Außerdem ist ja Eiweiß auch in Käse, Eiern usw., in geringem Maße sogar in den Pflanzenstoffe«, also z. B. im Brot, enthalten. Aber das Fleisch ist wohlschmeckend und sättigt, und ein Versuch, uns ganz » h n e Fleisch zu behelfen, ist sinnlos, es sei denn, daß man als überzeugter Vegetarier aus anderen Gründen kein Tierfleisch genießen will. Wer aber zuviel Fleisch ißt, sammelt schließlich nicht Reservekräfte an, sondern verschuldet durch die überreichliche Aufnahme der Extractivstoffe, daß diese gewiffe Organe so lange reizen, bis Erkrankungen entstehen. Jene Stoffe reizen z. B. die Nerven. Daher die appetitanregende Wirkung. Aber wir sehen auch, daß die Fleischfteffer unter den Tieren durchweg wilder und wütiger sind als die Pflanzenfresser. Gerade nervöse Menschen sollten sich vor zu reichlichem Fleischgenuß hüten. Oft sieht man eine Besserung von Nervosität, häufigem Kopfschmerz, Migräne und dergl. eintreten, wenn Fleischgennß immer mehr ausgeschaltet wird, während die Vegetabilien, Gemüse, Obst, Suppen bevorzugt werden. Zuweilen verschwindet eine quälende Migräne bei streng, durchgeführter vegetarischer Kost vollständig, um bei Wiederaufnahme des Fleischgenußes wiederzukehren. Die Mütter, die, vom besten Willen beseelt, ihr nervöses Kind mit Brühe und Fleisch überfüttert, leistet ihm keinen guten Dienst. Von weiteren Schädigungen durch übermäßigen Fleischgenuß soll das folgende Mal die Rede sein. Lame Sara an ihre stichle fluch. Meine l. Ruth! Du schreibst mir, daß Deine l. Schwester Else zum bevorstehenden Pesach etwas vom .Käschern" wiffen wolle. Ich bin gerne bereit, ihr im Folgenden zu dienen. Zunächst fragen wir, was ist der Zweck des Kascherns? Und die Antwort: Durch das Käschern soll das Ehomez, welches sich in das Innere der Wandungen und Böden der Gefäße infolge des Kochens und der Benutzung hineingesetzt hat, wieder herausgezogen werden. Denn nicht allein auf dasjenige Chomez, welches an der Oberfläche der Gefäßwandungen sich befindet und das durch das Waschen, Spülen und ') Der Talmud steht auf Idem Standpunkt, daß — abgesehen von Sabbath und Festtageu — Fleisch nur zur Befriedigung eine« besonderen Verlangen» genoffen werden solle und stützt sich dabei auf das Bibelwort amn-o. Red.