Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1910
- Issue
- 10 (4.1910)
- Date
- 1910-04-01
- Page
- Seite 166 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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166 einem Nichljuden nicht in die Hand, sondern legt es hin und sagt, man schenke es ihm, er solle es sich nehmen. Eine Stunde nach dem Beginn des Verbots, Chomez zu essen, also um 10 Uhr, muß alles Chomez weggegeben, alle Brotkrumen weggeschafft und alles Chomezgeschirr gereinigt und weggeschloffen sein. Nachdem alles dies geschehen, sagt man Kol Chamiroh, was nicht zu vergeffen ist. Das Randwert im Judentum. Von I. Kt. Jedes Wesen in der Welt hat eine bedeutungsvolle Aufgabe, welcher es mit wunderbarer Sicherheit nachkommt. Die bewußt- und willenlosen Gebilde der Schöpfung gehorchen in blinder Notwendigkeit den Gesetzen, welche der Herr der Natur in sie legte, und ihr Ziel ist der höchste Grad der Entfaltung, den sie vermöge ihrer Kräfte erreichen können. AnS den Anlagen eines Wesens können wir seine Bestimmung erkennen, und die angeborenen Fähigkeiten und Strafte bezeichnen genau die Richtung seiner Vervollkommnung nach dem Willen des Schöpfers. Der Mensch ist von der Natur mit vielen Gaben und Vorzügen auSgestattet, und die verliehenen geistigen und leiblichen Kräfte weisen mit aller Bestimmtheit und Entschiedenheit darauf hin, daß er zur Arbeit geboren ist. Schon ein flüchtiger Blick auf die ganze Beschaffenheit des Menschen nach der doppelten Seite seines Wesens zeigt uns, daß er zur Arbeit bestimmt sei. Welch ein künstlicher Organismus ist sein Körper, wie geschickt ist er zu ' unendlich vielen Bewegungen! Betrachten wir nur die Hand, wie sie von der Natur zu den mannigfachsten Verrichtungen eingerichtet ist, wie beweglich, gelenkig und gewandt, wie sic zu allen Äunstscrtigkciten geeignet ist. ES gibt keinen tierischen Körper, welcher die Werkzeuge sämtlicher Sinne in solcher Vollkommenheit ausgebildet hätte, als der des menschlichen. Darum ist der Mensch zu den wunderbarsten Taten, zu den höchsten Leistungen befähigt. Er kann Berge durchbohren, tiefgähnende, Klüfte und Schluchten, reißende Ströme überbrücken und die entlegensten Weltteile verbinden. In diesem wundervollen Organismus wohnt eine Seele, dieser herrliche Leib ist mit intellektuellen Kräften, mit Verstand und Vernunft auSgestattet. Diese befähigen die Hand, nach Absicht und Plan, mit Berechnung und Ueberlegung von den körperlichen Vorzügen den zweckmäßigsten Gebrauch zu machen. Wozu wäre die unermeßliche Fülle von Kräften, wenn der Mensch nicht das tätigste Wesen unter allen Geschöpfen sein sollte? Damit der Niensch seine Bestimmung ans Erden, die ihm verliehenen Kräfte zur vollen Entfaltung zu bringen, voll und ganz erfülle, hat ihm der Schöpfer den Tätigkeitstricb eingepflanzt. Tätigkeit ist dem Menschen ein Naturbedürfnis, er muß wirken und schaffen, und je mehr er schafft, desto mehr regen sich seine Kräfte, desto mehr steigt sein LebrnSgefühl und seine Lebensfreude. Die verschiedenen Klagen