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Jüdischer Volksbote · 1910-04-01 · 10 (4.1910) · p. Seite 160

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Journal
Jüdischer Volksbote
Volume
1910
Issue
10 (4.1910)
Date
1910-04-01
Page
Seite 160 (sequence 4)
Language
German
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160 bos jedem Kranken sein Weh abnimmt und ihm die köstliche Wahrheit in die Seele redet: „Schabbos ist's, du darfst nicht klagen, die Heilung wird bald kommen, feiert nur euren Schabbos in Frieden," wie er den Trauernden vom Boden erhebt und ihm seinen himmlischen Trost spendet, so gebietet er auch Halt der schaffenden Hand, die sonst bis zum Eintritt des Festes sich emsig rührt, um es würdig vorzubereiten. So groß uns auch der Peßach dasteht, der Schabbos ist noch größer. Wenn der Schabbos und das Peßachfest unvermittelt aufeinander folgen, dann bedarf es keiner weitern Erklärung mehr, daß der dem Peßachfest vorangehende Schabbos, der große, Snjn na», heißt. Das Prophetenwort, das uns der sinnige Väterbrauch an diesem Tage zur Betrachtung reicht, klingt in die Verheißung aus: jnuTi Srnn *n or sia ’jcS s'an ■t'S» ns na1? n*?i» a:s nj-t „Siehe, ich sende euch Elijahu, den Propheten, bevor die große, furchtbare Gotteszeit eintritt." (Maleachi 3, 25.) Die hier angedeutete Gotteszeit unserer nmns nSisJ wird uns die verheißene unrw p:, die Zeit unserer Freiheit bringen, der keine Knechtung und Entrechtung mehr folgt. Wie das alljährlich wiederkehrende Fest unserer Freiheit ein roo any einleitet, so wird jener Gotteszeit das Erscheinen des Propheten Elijah vorangehen. Der mahnende, eifernde und für die Wahrheit aus glühender Begeisterung rastlos wirkende Elijah ist das treue Abbild des wochentägigen Erew Peßach. Der Elijahu dagegen, der das Herz der Eltern den Kindern und das der Kinder den Eltern wieder zuführen wird, strahlt uns aus der Ruhe und den Frieden, den er stiftet, schon heute aus dem mit dem Sabbat verbundenen Erew Peßach entgegen. Seit Jahrtausenden harren sie des verheißenen Friedensboten und warten seiner Tag für Tag, wenn er auch noch so lange zö- ~ gerte. Aber nicht nur täglich, stündlich sehen sie alljährlich seiner Ankunft entgegen, wenn die Gedächtnisstunde ihres Freiheitsfestes wiederkehrt. Wann, so weit der Vollmond leuchtet und die Sterne glänzen, die in alle Richtungen der Windrose Zerstreuten, diesseits und jenseits des Oceans, ihren Sedertisch decken und die Pokale füllen, so steht allenthalben auch ein Becher für den sehnlichst erwarteten teuren Gast, für Elijahu hanowi bereit. Heute dürfen sie ihn erwarten, heute sind sie seiner würdig. Wenn der Peßach alle Glieder des Hauses, wohin sie auch das Geschick zerstreut hatte, wieder einheitlich zusammenführt, wenn die Eltern sich zu ihren Kindern herablassen, um ihnen die Wunder ihrer einstigen Befreiung zu erzählen und die Kitzder an den Elternlippen hängen, um einen neuen Knoten in dem Band zu schürzen, das die Alten mit den Jungen verbindet, dann haben sie dem Friedensboten vorgearbeitet, der das Herz der Eltern zu den Kindern und das Herz der

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