Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1910
- Issue
- 9 (2.1910)
- Date
- 1910-02-01
- Page
- Seite 158 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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158 Wie ein fernes Abendläuten Hört er'S klingen bang und innig, Und ein schämig stilles Tränlein Rollt ihm in-den Bart hernieder. — Ach es sind die alten Träume Uud die alten süßen Weisen, Vit bei Sabbat'S bangem Scheiden Trüb ihm durch die Seele zieh'n. — In des Sesiels weichen Armen Ruhet schlummermüd die Mutter, Zbr zu Füßen sitzt die Tochter Mit den glühend schwarzen Augen; Und die glühend schwarzen Augen Schau'n zur Mutier sinnend aufwärts. Und ein ahmingSvoller Dämmer Spielet um das süße Antlitz. — Aber plötzlich durch die Stille Geht ein wunderseltsam Singen, Jetzt wie mächtig Siegesjanchzen» Jetzt wie bange Tränenklage. Gar ein altes schönes Lied ist'S, Das der Vater angestimmet, — Einst zur goldnen Goltesharfe Hat's gesungen König David. Und er singt von grimmen Feinden, Singt von blutig heißen Schlachten, .Von den Händen speergewaltig. Die Gott Zions kämpfen lehrt." »Und so neige deine Himmel, Steig herab in'S Schlachtgebrause, Laß' erkrachen deine Donner, Daß die Berge flammend bersten; »Daß die Glutenpfeile zischen Um das Haupt der blut'gen Horden, Daß sie wild Entsetzen faste Und sie stürzen schmachbelastet!!! Doch was sind wir Erdenkinder, — Wie der Schatten schwank zerfließend. Wie der Staub vom Hauch verwehet — Daß du unser sollst gedenken?- .Aber du bist ja der Alte, Unser Gott voll «w'ger Treue, Du wirft gnädig uns erlösen Aus der Knechtschaft finstern Banden — .Daß die Kinder deines Volkes Himmelwärts sich freudig heben, Wie die Ceder, wie die Palme, Deines Tempels stolze Säulen »Auf den würz'gen Sonnentriften Grasen zahllos unsre Herden, Und der Speicher mächt'ge Räume Fasten nicht den goldnen Segen. .Wo ist Klage? Wo ist Träne? Durch der Straßen froh' Getümmel Geht ein Jubeln, geht ein Jauchzen, — Und die Cederwälder rauschen. Und die stolzen Ströme wallen. Und von blauen Wolkenbergen Bis zu tiefsten Blumengründen Klingt's und singt's in tausend Weisen, Wild und mächtig, weich und innig ..Heil dir, Heil dir, Volk deS Ew'gen!""- Da uiit eins verstummt das Singen, Wie erstickt von bitt'rcm Wehe, Und im dunkeln, stillen Zimmer Ziitert'S leise und verklinget. Doch die Mutter hat erwecket Jener stolze Siegessang: Hastig führt sie aus dem Schlummer, Und auch sie hebt jetzt ein Lied an. Aber nicht so kühn begeistert In der heil'gen Vätersprache — In den weichen Mutterlauten Singt sie leis und rührend innig: »Jetzt geht der heil'ge Sabbat hin, Mein süßer, lieber Gast. Er sieht schon Sterne am Himmel steh'n Und hat nicht Ruh, nicht Rast. .Und mußt du denn schon von mir geh'n. Du guter Sabbat mein. So geh', zu Gott nur wieder heim Und zu den Engelein. .Ich aber bet' zu dir, mein Gott, Aus tiefstem Herzensgrund, Daß nun soll kommen die volle Woch Zu Leben und Gesund, »Zu Glück und gutem Segen Ein jedem jüdischen Kind, Und daß wir soll'» behüt't sein Vor jeder dösen Sünd'. — Und weiter soll sie bringen Uns viel Gewinn und Ehren, Und lauter gute Botschaft -Soll uns vermeldet werden I" Ä 3p