Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1910
- Issue
- 9 (2.1910)
- Date
- 1910-02-01
- Page
- Seite 157 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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157 jo groß ist. Ich will auch dieses Glückes nicht unwürdig sein. Als «hrlicher Jude will ich Maaßer geben, von dem, waS mir vom Himmel beschert ist. Mein Nachbar gegenüber ist ein sehr braver Mann, der eine zahlreiche Familie zu ernähren hat. Bei diesen schlechten Zeiten, geht es ihm auch nicht bester, als mir. Sie kennen ihn wohl, es ist Awrom Pollack. Wollen Sie ihm diese zehn Taler geben, aber sagen sie ihm ja nicht, daß sie von mir kommen. Ich möchte das nicht gerne " Herr Meyer nahm die zehn Thaler und versprach seine Bitte zu -erfüllen. Er hatte Mühe, seine Rührung zu verbergen. Es war Freitag Abend. Herr Abraham Pollack saß mit den Seinen -an festlich gedeckter Tafel im hellerleuchteten Stübchen. Sein Familienkreis hatte sich vergrößert. Neben Sarchen saß Moses Callmann. Die Sorgen waren von ihm gewichen. Freude, inniges Glück strahlte von seinem Gesichte. Mit dem Scharfblicke der Frauen hatte Riwke längst das Geheimnis seines Herzens entdeckt: auch die Neigung ihrer Tochter zu ihm war ihr nicht verborgen geblieben. Nach dem großen Glücke, das sie betroffen, hatte sie ihren Mann von diesen intreffanten Entdeckungen in Kenntnis gesetzt. Dieser ließ sich daraus mit Callmann in eine lange Unterredung unter vier Augen ein, in welcher Callmann sein volles Herz ausschüttete. Die Mutter versuchte dasselbe bei ihrer Tochter mit demselben Resultate. Awrom versprach Callmann fünfhundert Taler zum Meisterwrrden zu geben und fügte die Hände der Beiden, deren Herzen sich längst gefunden, zusammen. Vor der Hand sollte dieses wichtige Ereignis der Welt noch Geheimnis bleiben. Während hier die Sabbathengel des Friedens und der Seligkeit niederstiegen, und die Familie Pollack zu den Höhen der reinsten, seligsten Freude emporhoben, waren im Hause gegenüber Samuel Gans und Frau und Kinder ebenfalls beschäftigt, dem reichen Sabbathmahle die Ehre zu erweisen. „Höre Schmul," flüsterte Milke ihrem Manne in's Ohr, „ich habe heute gesehen, wie Riwke Pollack eine Gans nach Hause brachte, die haben von den zehn Thalern doch auch einen vergnügten Schabbeß." 5abbaids«;g<mg Lichte Wölkchen hangen droben Hoch am blauen Himmelszelte, Und die abendliche Sonne Säumet sie mir goldnem Strahle. — Aber jetzt mit wildem Zucken Sprüh'n die Lichter durch den Aether, Und tue Sonne geht zur Rüste, And der goldne Tag verscheidet. Da noch einmal im Verlöschen stlammt er ans — und hastig gießt er Seine letzten Purvurflutcn In das stille Festgemnch. An dem steilster steht der Vater, Schaut hinauf zum Abendhimmcl, Und es schleichet bange Wehmut Leise in sein Herz hinein.