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Jüdischer Volksbote · 1910-02-01 · 9 (2.1910) · p. Seite 156

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Journal
Jüdischer Volksbote
Volume
1910
Issue
9 (2.1910)
Date
1910-02-01
Page
Seite 156 (sequence 16)
Language
German
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156 „Ich habe einen Auftrag für Euch," sagte Herr Meyer. „Da hat mir jemand hundert Thaler mit der Weisung zugeschickt, sie Euch zu geben. Hier sind sie." Schmal antwortete nicht und machte keine Miene, das ihm dargereichte Geld in Empfang zu nehmen. Starren Blickes schaute er Herrn Meyer an. „Nun, wollt Ihr nicht," fuhr Herr Meyer fort. „Ich habe die genaue Weisung, die Hunden Thaler Euch zu geben, seht hier sind sie." „Herr Meyer, wer hat Ihnen das gesagt"', brach endlich Schmul heraus, Herr Meyer, Sie muffen es mir sagen. War meine Frau bei Ihnen? Hat sie es Ihnen gesagt?" „Was meint Jhr,„ frug Herr Meyer erstaunt; „was soll mir Jemand gesagt haben? Uebrigens habe ich Euere Frau schon lange nicht gesehen? „Nein, es ist nicht möglich," rief Schmul, „es ist nicht möglich! Herr Meyer, woher wissen Sie, was ich gestern Abend zu meiner Frau gesagt habe?" Wa- Ihr gestern zu Euerer Frau gesagt habt, weiß ich wirklich nicht," entgegnete Herr Meyer, der sich das Benehmen des Mannes garnicht zu erklären wußte.; aber wie kommt das hierher?" „War meine Frau gewiß nicht bei Ihnen, Herr Meyer, bitte geben Sie mir AntwoN." „Ich versichere Euch, daß sie nicht hier war," sagte Herr Meyer. „Nun, dann muß es vom Himmel sein!" rief Schmul. Sie wissen Herr Meyer, wie sauer es unsereins jetzt hat, wie es oft Einem am Nodwendigsten fehlt. Gestern Abend nun sagte ich zu meiner Frau: „Milket ich weiß wirklich nicht, was wir anfangen wollen. Montag ist der Mietzins zu zahlen und ich habe noch keinen Heller dazu; die Kinder haben Zeug nötig und ich weiß nicht, woher ich das Geld nehmen soll. Meine Frau wußte auch keinen Rat. Endlich fiel ihr ein, ich sollte heute zu Ihnen gehen, Herr Meyer, und Sie bitten, mir das Geld zum Zins leihen zu wollen. Weil ich nun keinen anderen Ausweg wußte, und ich sonst mit Frau und Kinder obdachlos werde, habe ich mir vorgenommen. Sie darum bitten zu wollen. Nun kommen Sie mit diesen hundert Talern! „Es ist wirklich Gottes Fügung, Schmul," erwiderte Herr Meyer, „Der verläßt Keinen. Die hundert Thaler sind mir übrigens von Jemanden geworden, der auch garnicht wissen kann, was Ihr Beide gestern Abend überlegt habt. Hier nehmt das Geld und möge es Euch zum Segen und Nutzen sein." „Freudetrunken nahm Schmul jetzt die hundert Thaler ohne Weigerung; eine Träne rollte ihm über die gebräunte Wange in den starken, schwarzen Bart. Er war schon an der Tür, als er wieder umkehrte. „Herr Meyer, sagte er, „Sie müssen mir einen Gefallen tun, aber einen großey Gefallen. Gott hat mich aus meiner Not gerettet, er hat mir gezeigt, daß man nie verzweifeln soll an seiner Gnade und wenn auch die Not noch

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