Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1910
- Issue
- 9 (2.1910)
- Date
- 1910-02-01
- Page
- Seite 154 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/4903180-5965937-5965961--204-4903369- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
154 wie die bekannte Katze um den heißen Brei. Der „Israelit" ist ja sehr billig geworden, er kostet jetzt nur noch 1.50 Mk. im. Vierteljahr. Auch die Damen kommen auf ihre Rechnung, indem sie sehr schöne Erzählungen und Romane darin finden, auch Berichte über die Frauenvereinigungen in den Großgemeinden. Es spielen gegenwärtig Fragen, wie die des zwangsweisen Zusammenschlusses aller Juden in Preußen zueiner Kirchengemeinschaft mit einer obersten Behörde in Berlin an der Spitze, mit Provinzialkirchen usw. In Bayern ist man daran, die dortige Cultus-Berfaffung der Neuzeit entsprechend zu gestalten, in Württemberg wird die Kirchenversassung für die Israeliten demnächst in Kraft treten. Wie verhaltet Ihr Euch zu all diesen Dingen? Ihr wisset es nicht, und doch kommt es auf Euch Leute vom Lande fast in aller erster Linie an. Täglich bekommt ihr Schnorrbriefe ins Haus gesandt Auch da kennet Ihr Euch nicht aus, ob die dort stehenden Vereine, Schnlen, Anstalten der Unterstützung würdig sind oder nicht. Über die meisten Dinge werdet Ihr aber im „Israelit" Aufklärung finden. Da hat jüngst in Hamburg der Zionisten-Kongreß unter der Teilnahme von Abgeordneten aus allen Ländern der Welt stattgefunden, Ihr habt keine genaue Kunde davon. Und dock, mag man auch mit dem Zionismus wenig Lbereinstimmen, er ist eine merkwürdige, hoch wichtige Bewegung, die von sehr großem Einflüsse auf die gesamte Judenheit ist. Allerorten ist das große Ringen zwischen deu Frommen, den Anhängern des altüberlieferten Judentums nnd ihren fanatischen, wutentbrannten Gegner», welche das alte Judentum vernichten wollen und Ihr könnt, wenn Ihr nicht ein jüdisches Blatt lest, aus Unwissenheit und Teilnahmlosigkeit nicht beispringen. Und doch wäre es so dringend nötig, daß Ihr Eure Kinder für diesen Kampf erziehet und ihnen die rechte Gesinnung und den Kampfesmut einpflanzet, das kann man aber nur. wenn man wenigstens im Geiste an diesem gewaltigen Geistesringen teilnimmt “ .Sie haben Recht," sagte Herr Levi, der Großpapa, „wir wollen in der Tat den „Israelit" gleich beim Postamt bestellen; aber jetzt laßt uns benschen. Stimmen Sie den Schir hamaalaus an!!! Maaker. (Schluß). Der reiche Kaufmann Jakob Meyer saß am Pulte in seinem Privat- «omptoir. Viele und wichtige Arbeiten hatte er zu erledigen. Nicht die Angelegenheiten seines großen Geschäfts waren es, die ihn so sehr in Anspruch nahmen. Seine strenge Rechtlichkeit, sein scharfer Verstand und seine Menschenfreundlichkeit hatten ihm das allgemeine Vertrauen in so hohem Grade zugezogen, daß viele der wichtigsten Ämter in seine Hände gelegt wurden. Unter Anderm war er auch Gabbai, Armenpfleger der