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Jüdischer Volksbote · 1909-12-01 · 8 (12.1909) · p. Seite 139

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Journal
Jüdischer Volksbote
Volume
1909
Issue
8 (12.1909)
Date
1909-12-01
Page
Seite 139 (sequence 15)
Language
German
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139 Porzellan, fertigen Kleidungsstücken und Kurzwaren und ich kann ihn auf's Angelegentlichste empfehlen. Nur eine Bedingung muß jeder Gegenstand, dem er seine merkantilische Aufnierksamkeit zuwendet, erfüllen — der Zahn der Zeit muß bereits an ihm genagt haben; das Eisen muß rostig,. die Kleidungsstücke geflickt, das Porzellan defekt sein, dann erst würdigt er diese Artikel seiner Tätigkeit. Wie konnte es ausbleiben, daß ein so ausgedehntes Geschäft nicht von der allgemeinen Calamität, der Handelskrisis mitberührt würde und, gestehen wir es nur, wenn die Firma Abraham Pollack nicht fallirte, so war es außer der umsichtigen Leitung ihres Inhabers, wohl noch der Umstand daran schuld, daß zum Bankerotte notwendig ein Kredit gehört, Abraham Pollack aber aus hier nicht näher zu erörternden Gründen, alle seine Einkäufe nur gegen Bar machte und ans denselben Rücksichten kein fremdes Kapital in seine Spekulation verwickelte. Abraham Pollack bewohnt den zweiten Stock eines Hintergebäudes in ' einem engen, abgelegenen Gäßchen und hat zur größeren Bequemlichkeit sein Bureau und Waarenlager mit seiner Wohnung identisiziert. An einem unfreundlichen Winterabende finden wir ihn denn auch hier im Kreise seiner Familie. Er ist soeben nach Hause gekomnien, undbringt seinen Freund und Standesgenoflen, Herrn Salomon Gans, Inhaber eines ähnlichen Trödlergeschäfts mit. Die beiden Männer machen es sich bequem und nehmen an dem Tische Platz, an welchem Frau Rebekka Pollak mit dem Ausbesiern der Kleidungsstücke ihrer Kleinen beschäftigt ist, während die Eigentümer desselben nach bester Einsicht in den vier Ecken des Stübchens die Zeit zu vertreiben bemüht sind. „Nun, Awrom, wie ist es heute gegangen?" eröffnete Herr Gans die Unterhaltung, „Wie soll's gegangen sein?" antwortete der Angeredete. „Bei diesen schlechten Zeiten läßt sich nicht viel erwarten. Es ist nirgends etwas zu verdienen. Du scheinst auch gerade nicht sehr zufrieden zu sein." „Ich? — mir will es garnicht mehr glücken; schon seit acht Tagen kein einziges ordentliches Geschäftchen gemacht. Das ist Alles, was ich heute herausgeschlagen habe", sagte dieser, indem er ein paar kleine Münzen aus der Westentasche zog, — noch nicht einmal genug, um eine Mittagsmahlzeit für meine Wirtschaft zu kaufen. Wenn das so fortgeht, muß ich noch Betteln gehen." „Na, nur ruhig Schmul," begütigte Pollack den sich Ereifernden, „der alte Gott lebt auch noch. Sieh, wir Juden sind doch noch besser daran, als die Anderen. Wer kümmert sich denn um diese jetzt in der inhaltsschweren Zeit? Von den jüdischen Häusern sind auch manche gefallen, aber die Chewros sind doch noch gut und stellen ihre Zahlungen nicht ein." „Ja," fiel Rebekka ihrem Manne in's Wort, „haben wir nicht noch Alle Feuerung erhalten und war Eure Frau^ Schmul nicht erst vorige

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