Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1909
- Issue
- 8 (12.1909)
- Date
- 1909-12-01
- Page
- Seite 137 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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137 Nahrung so zu steigern, daß Hunger eintrilt, wenn einmal dieses hochgesteigerte Nahrungsbedürfnis nicht befriedigt wird. Ein gewisses kleines Uebermaß ist von Nutzen; der Körper seht Stoffe an und sammelt so nützliche Reservekräfte. Eine starke Uebernährung dagegen ist ein Schaden für die Gesundheit und bildet, wie wir sehen werden, die Quellen vieler Leiden und Krankheiten. Daß natürlich unsere Nahrungsmittel nicht alle gleichen Nährwert haben, weiß jeder; ein Ei ist nahrhafter als etwa die gleiche^ Menge Gemüse. Unsere Nahrung soll aber nicht nur ausreichend, sondern auch schmackhaft zubereitet sein, damit unsere Organe zur Abgabe der Säfte angeregt werden, die wir zur Verdauung der Nahrung brauchen. Endlich aber soll die Nahrung unschädlich sein. Schädlich kann unsere Nahrung nicht nur dadurch sein, daß sie direkt schädliche giftige. Stoffe enthält, sondern auch durch die Art ihrer Zusammensetzung. Also auch die Auswahl der Speisen ist von Wichtigkeit,und wir werden sehen, daß jede einseitige Ernährung, z. B. eine solche mit vorwiegender Fleischkost, trotz ihres großen Nährwerts für den Körper äußerst schädlich ist. In unserem hastenden Zeitalter ist es nicht überflüffig zu betonen, w i e gegessen werden soll. Hu unseren Kauwerkzeugen besitzen wir ein vorzügliches Mittel, um den edleren inneren Organen Arbeit zu ersparen. Man kaue die Speisen gründlich. Sie werden dadurch in einen Brei verwandelt und außerdem gut mit Speichel vermischt, was für den Verdauungsprozeß nicht ohne Bedeutung ist. So können die Speisen vom Magen direkt der Verdauung unterworfen werden. Hat man aber hastig gegessen und ungenügend zerkaute Stücke hinuntergeschluckt so bürdet man die Arbeit, die die Zähne so leicht hätten leisten können, dein Mage» auf, dessen Kraft für die wertvollere Verdauungsarbeit aufgespart werden sollte. Denn zu einem Brei muß die Speise doch verwandelt werden, bevor sie der Verdauung unterworfen wird; nur ist diese Verwandlung für den Magen weit schwieriger und anstrengender als für die Zähne. Tatsächlich leiden die hastigen Effer mehr oder minder an chronßschem Magenkatarrh. Aus dem Gesagten geht auch die Wichtigkeit eines guten Gebisses für die Gesundheit hervor. Man halte frühzeitig schon die Kinder dazu an, täglich die Zahnbürste zu benutzen und häufig de» Mund zu spülen, und schicke sie, wenn sich der Schaden der Stockuna an den Zähnen zeigt, rechtzeitig zum Zahnarzt. Auch gewöhne man die Kinder an nicht zu hastiges Essen und gründliches Kauen. Kleinen Kindern, deren Kauwerkzeuge noch schwach ausgebildet sind, reiche man daher die sonst festen Speisen möglichst in breiiger Form. Aber gegen Ende des ersten Lebensjahres gebe man dem Kind zeitweise etwas gerösteten Zwieback oder altbackene Semmel, damit es sich im Kauen übe. Auch der Wärmegrad der Speisen darf kein beliebiger sein, ein gewisses Maß darf hierbei nicht überschritten werden. Wie oft kommt es vor, daß jemand, der einen so heißen Bissen in den Mund genommen hat, daß er auf der Zunge brennt, ihn rasch hinunterschluckt, um das Gefühl