Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1909
- Issue
- 8 (12.1909)
- Date
- 1909-12-01
- Page
- Seite 133 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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133 Kampfe für unsere Thora etwas ausrichten. Die Tage des beschaulichen Dahinlebens und Gewährenlassens, in denen alles von selbst ging, sind endgiltig vorbei. Wo nicht gearbeitet und geworben wird, verfällt Alles! Darum, meine liebe Nichte, wollen wir auf dem Plane sein, und unsere Gaben auch benützen. Es wünscht Dir recht vielen Erfolg Deine treue Tante Sara. ver Cebminnenbcruf.*) ' Von s£iffi Kreimeiln. Soll unsere Tochter Lehrerin werden? Gewiß ist 'das ein schöner Beruf: nach einer Zeit gründlicher eigener Durchbildung arbeitet man an der Erziehung junger Menschen mit, und trägt so zum Wohle des Volkes und der gesamten Menschheit bei. Die hohe Verantwortlichkeit, die aus dieser Aufgabe hervorgehr, stählt die Energie und fördert oft genug die eignen Fähigkeiten um ein Beträchtliches. Wie abwechslungsreich gestaltet sich die Arbeit durch die Verschiedenheiten der Charaktere der Kinder, und wie vertieft sich im Umgang mit ihnen das Verständnis für die Entwicklung und die Bedürfnisse der Kindesseele! Für kleinere und größere Mißerfolge, die bei Erziehung und Unterricht unvermeidlich sind, entschädigen die kleinen und großen Erfolge und vor allem die Liebe, mit der Kinderherzen zu beschenken vermögen. Die als Lehrerin gesammelten Erfahrungen werden in der Ehe dann der Mutter von großem Nutzen sein können. Aber diese und ähnliche Betrachtungen der Gefühlsseite des Berufes können unsre Frage nicht zur Entscheidung bringen. Es gilt vielmehr, den Weg zu diesem Berufe zu zeigen, und die Aussichten, die sich in ihm der gesetzestreuen Jüdin bieten, zu beleuchten. Der folgenden Besprechung liegen die Verhälnisse in Preußen zu Grunde; doch wird sich von ihnen leicht auf die Lage in den anderen deutschen Staaten schließen lassen. . Mädchen, die sich dem Berufe der Lehrerin widmen wollen, müssen eine zehnklassige, höhere Mädchenschule besucht haben. Ob sie dort die erforderliche Reife erlangten, wird bei der Aufnahme in ein Seminar meistenteils durch ein Aufnahmeexamen festgestellt. Das Seminar muß vier Jahre lang besucht werde», sodaß das Schlußexamen in der Regel um das zwanzigste Lebensjahr abgelegt werden wird. Die Kosten des Schulbesuchs schwanken zwischen 130 und 200 Mark pro Jahr; die des Seminarbesuchs betragen 200 Mark oder mehr. Hinzu kommen die Kosten für Bücher. *) Wir verweisen auf den in No- 6 des „Volksboten" enthaltenen Artikel: „Was soll unsere Tochter werden?"