Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1909
- Issue
- 7 (10.1909)
- Date
- 1909-10-01
- Page
- Seite 121 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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gar schon manches mal nur als „Hütte" gezeigt, dieder Stnrm geschichtlicher Entwickelungsgänge umwarf. Du Armer, verzage nicht in deiner Hütte, wenn Sturm daran rüttelt und Frost sie durchzieht. Einer Hütte glich von je Israels Volksdasein, doch sie trotzte alle» Stürme» äußerer Gewalt. Gott schaut hinein. Gerade zur Winterzeit werden Einsichtsvolle Herz nnd Hand öffnen, einen Strahl warmer Bruderliebe senden in die düstere» Stätten menschlichen Elends und Unglücks. Grade der Winter soll mehr denn sonst uns inenschlich fühlen lehren, erst iin Glücke anderer empfinden wir das wahre Glück und dauernde Befriedigung. Wenn wir nach Schluß der Herbstfeste das Wintersemester im Geiste überschauen, so sind es eigentlich zwei Dinge, die uns durch diese lange Zeit treu nnd ununterbrochen begleiten:' die Thora und der Sabbat. Ans sie richtet sich unser Sinn, wenn nach Ablauf des Festcyklns ein elegisches Gefühl uns beschleichen wollte. Schön waren diese Tischritage, erhebend und veredelnd für uns alle. Selbst Erwachsene vermochten sich noch kindlich zu freuen, auf jene D'aia c*e\ Es liegt in der menschlichen Natur, den schroffen Uebergang von einer in die andere, entgegengesetzte Stimmung nnangenchm zu empfinden. Für das Entschwundene sucht man nach Ersatz. Könnte es da einen befferen geben, als Thorastudinm nnd Der Zauber, welcher in diesen beiden Begriffen liegt für jeden, der noch ein jüdisch fühlendes Herz sein eigen nennt, läßt sich mit wenigen Worten nicht wiedergebeu. Beide, min und natt* sind geeignet, uns ein Programm für die Wintertagc abzugeben, das keiner Verbesserung fähig ist. In ihrer Wirkung auf unser Gemüt können beide von keiner Festtagsstimmung übcrtroffen werde». An min und natP als das Bleibende, Unabänderliche weist uns das Wintersemester Tag für Tag und Woche um Woche. Die Verteilung der ganzen Thora in Wochenpensen für die einzelnen Sabbate des Jahres zeugt an nnd für sich schon, wie beide zusammengehören. Nach Feslcsfchluß schlagen wir die Thora von vorne auf, um allsabbatlich die betr. Perikope verlesen zu hören. Und der alte-Leklionsplan bleibt ewig schön, trägt stets den Reiz der Neuheit. Es ist keine Uebertreibung, wenn wir behaupten: Im Wintersemester können Thorastudic» nnd Sabbathfeier uns mehr beglücken, als alle sonstigen Veranstaltungen geselliger Unterhaltung oder festlicker Natur. Wenn alle diese Veranstaltungen in ihrem Hauptzweck die Gemütlichkeit, den angenehmen Zeitvertreib, den frohen Genuß von Stunden ungezwungene» Beisammenseins anstreben, so muß demgegenüber auf das Gemütvolle, welches gerade naiP und min uns bringen kann, hingewiese» werden. Leider hat unsere so ganz dem Materiellen zngewandte Zeit nichts übrig für beide Quellen des Glücks. In der Hast nach dem Irdischen nützt man jede Spanne Zeit aus, keucht unter der Last dahin, bis die Kräfte aufgerieben sind, verliert den freien Geiftesblick, das warme Gefühl für den Ncbenmenfchen, und nun sollen Theater, Konzerte, Bälle, Vereiusabende etc. den inneren Menschen wieder ins Gleichgewicht bringen. Das kann nur eine Uebertiinchung der Schäden, keine durchgreifende Sanierung bedeuten. Wie ganz