Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1909
- Issue
- 7 (10.1909)
- Date
- 1909-10-01
- Page
- Seite 118 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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118 Das Wintersemester. Von,-. Wamiheimn-Dettclvach.. Vorüber sind die schönen Feste des Tischrnnonats, verklungen die frohen Töne der letzten Tage. Verklungen? Nein, sie liegen uns noch im £%, sie wirken noch fort auf unser Inneres, auf Herz und Gemüt! Gar verschieden waren die Eindrücke, welche der Tischrimonat unserem geistigen wie leiblichen Auge darbot, verschieden ihrem inneren Wesen nach, wie in der äußeren Form. Die ganze Skala menschlicher Gefühle vermochten sie zu erregen, vom tiefsten Ernste bis zur lebensfrohen Heiterkeit. Zuerst das rtJBVi 1281 Fest, das der Jude still und geräuschlos begeht, nicht im sinnenberauschenden Taumel der Gegenwart, sondern im ernsten Aufblicke zu seinem Gotte, der in Allwissenheit und Allgerechtigkeit seines Richteramtes waltet. Es ist für uns die Zeit der Selbftprüfung, der Ein- und Umkehr, die Zeit der religiössittlichen Ermannung aus Schwäche und Abfall. Schon beim Morgengrauen füllen sich Israels Gotteshäuser mit Andächtigen, die trauten Töne der nin'^D treffen unser Ohr, unser Gemüt, der Schüfar weckt die schlafenden Gewisicn auf's Neue, in blendendem Weiß erstrahlt die Synagoge, in der Farbe der reinsten Unschuld; der hohen Bedeutung des pn 21' entsprechend, legt man die Sterbegewänder an, das und selbst die dem jüdischen Denken und Fühlen während des ganzen Jahres Fernstehenden können nicht umhin, wenigstens für diese Tage ihre Zugehörigkeit zu ihren Stammesgenosien und zum Väterglauben zu bekunden. Den krönenden Abschluß der „hohen Festtage" bringt dann der HBD DT, die Zeit der Sühne und Aussöhnung, nicht nur niit seinem Gotte, sondern vor Allen, auch mit dem Nebcnmenschen. ran ns nxrtp ny -.2:2 r.T ps ranS cns pp nn'ay „Selbst -1102 ov bringt nicht Sühne für Vergehungen gegen den Nebenmenschen, bis man den Fehler wieder gut gemacht." Darum reichen wir die Bruderhand dem Beleidigten, drum weitet sich das jüdische Herz in Betätigung edler Menschenliebe; der notorisch alle Zeit rege Wohltätigkeitssinn unserer Glaubensgenossen gewinnt doppelte Spannkraft. Die Pietät, gleichfalls eine Stammeseigenschaft des Juden, zieht viele unserer Brüder hin zu den Ruhestätten der Heimgegangenen Lieben, ganz dem Ernste der n21Pn-Tage entsprechend. So naht OTBDn DT heran. Festlich erleuchtet ist das Gotteshaus, feierlich intonirt der Vorbeter TU bl unter Assistenz zweier Gemeindevertretcr, ein in seiner Erhabenheit rührender Protest gegen die Verunglimpfung üdischer Gewissenhaftigkeit in Bezug auf Wort, Versprechen, Gelübde und Schwur. Volle 24 Stunden verläßt uns die weiche, volle Stimmung uicht, die schönen Gebete, welche die Weisen uns gereicht, sorgen hierfür. Sie berühren alle Beziehungen zu unseren Nebenmenschen, Israels Verhältnis zu Gott, seine Stellung im Völkerlcben, führen uns in die Glanzperiode der Tempelzeit zurück, zu den Opferhandlungen der DUnD, zu den Gesängen der Leviten, geben uns in den SLN?x in anschaulicher Weise, quasi in plastischer Form, Fingerzeige der rechten Reue auf die verschiedenen Sünden, begangen durch Gedanken, Wort und Tat, bieten uns so