Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1909
- Issue
- 7 (10.1909)
- Date
- 1909-10-01
- Page
- Seite 116 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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116 bis die Borke aufgeweicht ist. Ist die Erkcaakuug hartnäckig, dann gehe man zum Arzte. Eine bei Kindern verbreitete Krankheit ist eine mit Bläschenbildung verbundene Entzündung, die besonders gerne am Hornhautrande auftritt; wird diese Sache vernachlässigt, so greift ver Proceß leicht auf die Hornhaut über und kann durch Hinterlassung von trüben Narben dauernde Sehstörungen herbcifiihrrn. Gewöhnlich ist mit dieser Entzündung eine so starke Lichtscheu verbunden, daß die Kinder die Lider ganz krampfhaft zusammenkneifen. Zeigen sich diese Erscheinungen, dann zögere man nicht nnd übergebe die Kinder alsbald einer sachgemäßen Behandlung. Praktisch wichtig ist eine im Gefolge der Impfung vorkommende Erkrankung der Lider, die im Allgemeinen in 2—3 Wochen völlig heilt; es kann aber auch zu ernsterer Erkrankung des Auges dabei kommen. Die Verhütung ist sehr einfach: Da das Pockengifl durch Berührung der mit dem Gifte beschmutzten Hand auf das Lid übertragen wird, so verbinde man die Impfstelle bis zur vollständigen Heilung des Jmpfprozesses. Bei Keuchhusten treten häusig nach einem heftigen Hustenanfalle Blutungen unter der Bindehaut auf, die sich als blutroter Fleck stark abheben und wegen ihres anssälligen Aussehens oft große Besorgnis Hervorrufen. Sie sind aber ganz unschuldiger Natur nnd verschwinden »ach wenigen Tagen ohne jede Behandlung. Das Schielen ist eine Sehstörung, der leider nur zu oft recht geringe Beachtung geschenkt wird; man läßt Jahre darüber vergehen, ehe man deshalb den Arzt aufsucht und macht dadurch die früher mögliche Heilu»g ohne Operation eben unmöglich. Das Schielen ist in vielen Fällen die Folge von Kurz- oder Uebersichtigkeit und könnte durch entsprechende Brillen im Laufe weniger Jahre vollständig behoben werden; je früher die Brille getragen wird, desto besser. Aber gerade in diesem Punkte herrscht ein schroffer Gegensatz zwischen der wissenschaftlichen Erfahrung nud der Auffassung des Laien. „Es sei doch ungesund, so früh eine Brille zu tragen", hört man recht häufig, wenn man einem 3-, 4jährigen Kinde ein Glas verschreiben will; und leider hat das Publicum im Großen und Ganzen ei» viel willigeres Ohr fiir diese durch gar nichts begründete Belehrung durch wichtigtuerische Nichtswisser, als für den durch jahrelange Erfahrung erprobten Rat des Arztes. Genau ebenso verhält es sich mit der Behandlung der Kurz- und Weitsichtigkeit. Unumstößliche Tatsachen haben bewiesen und beweisen alltäglich, daß es durch frühzeitiges Tragen eines Glases gelingt, in vielen Fällen besonders die Kurzsichtigkeit am Fortschreiten zu verhindern. ‘ Man breche daher einmal endgiltig mit diesem der Wissenschaft ins Gesicht schlagenden Vorurteil gegen die Brille, besonders aber auch noch deshalb, weil eine Reihe von unangenehmen Zuständen, wie Kopfweh, Schwindel u. a. die Folge von Kurz- oder Uebersichtigkeit ist, und diese Beschwerden hören mit dem Tragen'des Glases auf. Bei dieser Gelegenc