Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1909
- Issue
- 7 (10.1909)
- Date
- 1909-10-01
- Page
- Seite 113 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/4903180-5965935-5965957--154-4903322- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— iiS — lante Sara an Ihre ßicftte Rutb. Liebe Nichte! Fiir die Grüße, welche Du mir im Namen meiner lieben Namensschwester und Jugendfreundin in M.-Heim ausgerichtet hast, sowie über ihr schmeichelhaftes Urteil über meine Briefe, die Du sie Haft lesen lassen, sage ich ihr besten Dank. Diese Anerkennung einer so gebildeten Dame, wie meine liebe Jugendfreundin ist. freut mich sehr und ermuntert mich, in der bisherigen Weise fortzufahre». Du fragst mich, ob Du es wagen darfst, Deine Freundin Rahel, welche sich verlobt hat. und die aus einem Hause stammt, welches einer nicht so fest gehämmerten Frömmigkeit huldigt, auf die Nidda-Gebote aufmerksam zu machen? Darauf antworte ich Dir: Du „darfst" nicht nur, sondern vielmehr Du „sollst" und „mußt" es tun. Denn als Tochter unseres Volkes hast Du die Pf-licht: jeden, von dem Dn irgendwie annehmen kannst, daß er Deine Mahnung nicht mir tatsächlichen Grobheiten und Beleidigungen zurückweist, dahin zu belehren und zu ermahnen, daß er dem Thoragesetze Folge leiste. Denn wohin käme es, wen» wir dieser Pflicht entsagten und nicht immer und immer wieder auf die Verpflichtung znm jüdischen Religionsgesetze -mit allem Nachdruck »nd mit dem Aufgebote allen Taktes und aller vernünftigen Ueberzenguugsknnft unsere Schwestern und Brüder hinwiesen!! In den' christlichen Konfessionen haben sie die „innere Mission", das sind geistliche Personen männlichen »nd weiblichen Geschlechtes, deren Beruf es ausschließlich ist, die Leute jedweden Alters, Geschlechtes und Standes zur Religion zurückznsühren: und es werde» dort ganz kolossale Summen Geldes und Arbeitskraft aufgewendet, unablässig die Bevölkerung zu bearbeiten. Wir Juden haben diese bernsenen Missionäre und Missionärinncn allerdings nicht, dafür aber ist jedem einzelnen Inden und jeder einzelne» Zionslochler diese Pflicht für ihren Kreis übertragen. Mache also Deine Freundin Rahel mit dem Niddagebot bekannt und gebe ihr das Buch „Tauraß Noschim" von Münz in die Hand, es ist für wenige Nickel bei den jüdischen Buchhandlungen zu bekommen. Dieses Buch hat den großen Vorteil, daß es in deutschen Lettern gedruckt, (also nicht jüdisch-deutsch) und sehr übersichtlich eingeteilt ist. Ich selbst habe es schon einer ganzen Anzahl von Bräute» und auch Bräutigamen in die Hand gegeben und recht gute Erfolge erzielt. Laß' Dich nicht durch eine falsche Prüderie, die hier nicht am Platze ist. abhalten; dieselbe ist ja gegenwärtig sehr unmodern. Versäume aber nie, hinzuzufügen, daß die Leute alles, was in diesem Buche steht, ganz genau »nd ganz wörtlich' erfüllen müssen. Denn diese Gebote sind so diffizil, daß die allergrößte Genauigkeit und Pünktlichkeit erforderlich ist, damit man nicht zur Aweroh kommt. Also öfteres Lesen, ja Studium und genaueste Erfüllung! Von meinen Badeerlebniffen muß ich Dir auch noch einiges zum Besten geben. Ich war, wie Du weißt, in den böhmischen Bädern. Dort traf ich eine sehr große Anzahl frommer Juden aus Ost »nd West, ans Süd und Nord. Es hat meinem Herzen außerordentlich wohl getan, zu