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Jüdischer Volksbote · 1909-10-01 · 7 (10.1909) · p. Seite 112

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Journal
Jüdischer Volksbote
Volume
1909
Issue
7 (10.1909)
Date
1909-10-01
Page
Seite 112 (sequence 10)
Language
German
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— 112 — Wenn einmal jüdische Landkinder, Knaben oder Mädchen, angeleitet worden sind, mit rechter Lust und Liebe (nicht zum spielerischen Getue, indem sie vielleicht auch einmal mit spitzen Fingern die Düngergabel fassen, oder sich sehr erhaben fühlen, wenn sie ein paar Garben auf den Erntewagen gegeben haben) zusammen mit den Eltern das eigene- Land, ohne °remde Hilfe jahrein, jahraus zu bauen, dann ist ihnen das nicht nur ein steter Ouell innerer Freude, sondern es wird ihnen auch, lrotz aller Vorzüge und Lockungen der Stadt, die ländliche Heimat, immer lieb und wert erhalten. Es wird ihnen, ohne daß sie ausschließlich Landwirte sein müßten, ein Gränchen Bauernstolz in die Seele einziehen, der sie lehrt, nicht mit jeglichem, noch so äußerlichen Glanz des Städterlebens Götzendienst zu treiben. Wenn einmal zur Erntezeit die jüdischen Dorfmädchen, nicht anders als ihre christlichen Altersgenossinen, hinter der Sense des Vaters oder Bruders das Getreide raffen und binden, und wenns nur drei oder fünf Morgen Land sind, die sie ihr eigen nennen, dann ist die größte Gefahr der ländlichen Judenfrage meines Erachtens vorbei. Diese wenigen Morgen Land bringen, auch wenn in ihrer Bewirtschaftung um des Religionsgesetzes willen einmal mancherlei hat versäumt werden müssen, noch nicht den Ruin. Dafür aber bringen sie etwas Anderes sicher ins Hans, und das ist Gesundheit und Arbeitsfreude, den Frohsinn des Landlebens, die Freude am tätigen Leben überhaupt. — Es ist ja damit gar nichts Neuartiges vorgeschlagen. Der christliche Handwerker im Dorfe hat nebenbei doch stets seine kleine Landwirtschaft die er selbst besorgt. Warum sollte das der jüdische Kleinkaufinann oder Viehhändler oder Metzger oder was er sonst sein mag, nicht auch könne»? Aber der Besitz desLandes allein — das betone ich nochmals — h a t gar keinen Wert, nur die eigene Arbeit i st's, die segensreiche Früchte trägt. Einem derartigen Landerwerb im Kleinen durch die Juden »vird seitens der christlichen Bauernbevölkerung auch keine nennenswerte Schwierigkeit bereitet werden, während eine ausschließliche Zuwendung eines irgendwie erheblichere» Teiles der deutschen ländlichen Judenheil zur Landwirtschaft auf sehr großen, erbitterten Widerstans stoße» dürfte. Was hier gesagt ist, gilt — in all seiner Lückenhaftigkeit — nur für die spezifisch deutschen, kleinbänerlicken Verhältnisse. Unter anderen besonders außerdeutschen Verhältnisse wird man hingegen eine möglichst ausschließliche Verbreitung der Landwirtschaft unter den Juden vielfach aufs Wärmste befürworten dürfen. Liegen doch in erster Linie in den palästinensische» Bauernkolonien, schon hochbcfriedigendc Resultate solcher Bewegungen vor. (Wir eröffnen hiermit die Diskussion über die außerordentlich anregenden Ausführungen des Herr» Verfassers und bitten um rege Beteiligung. D. Red.)

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