Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1909
- Issue
- 7 (10.1909)
- Date
- 1909-10-01
- Page
- Seite 107 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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IDT - © D alte Myrthen (Hadafsiiu) für den Feststrauß verwenden. Auch diese sind untauglich, poßul. Selbst solche aber, die darauf bedacht sind sich frische Lulof, Hadassim und Esrog zu beschaffen, achten nicht darauf, daß die vierte Pflanze zu dem Feststrauß, die Bachweide, den Anforderungen des Gesetzes entspricht. Weil sie leicht und kostenlos zu haben ist, wird sie am meisten vernachlässigt. In neuerer Zeit ist dazu noch eine neue Kalamität gekommen, daß nämlich viele der in den Handel gebrachten Esrogim, gar keine Esrogim sondern eine Zwitterfrucht sind, die durch das Propfen von Esrogim mit Citronenbäumcn gewonnen wird. Die Händler selbst haben davon oft gar keine Kenntnis und haben auch kein Jntereffe daran hier Wandel zu schaffen, weil das kaufende Publikum von diesem Mißstand nichts weiß. War es daher von jeher Brauch die vier Pflanzenarten vor ihrem Ankauf einem sach- und thorakundigen, vertrauenswürdigen Thoragelehrten zur Prüfung vorzulegen, so ist dies heutzutage doppelt und dreifach allen denjenigen dringend zu empfehlen, die Mizwos Arba Minim, nun auch wirklich der Vorschrift gemäß erfüllen möchten, nachdem sie dafür kein Geldopfer gescheut haben. In der ungenügenden Erfüllung dieser beiden Gottesgebote mag es auch begründet sein, daß sie oft nicht von den beglückenden Folgen begleitet sind, "die von ihrer treuen, gewissenhaften Uebung sonst unzertrennlich sind und daß vor allem die dritte Pflicht, die freudige Begehung des Festes so viel zu wünschen übrig läßt. Die Freude mit der Thora, min nnnv, in welche das Fest ausklingt, geht vielfach ganz leer aus und was noch schlimmer ist, sie ist an vielen Orten in ihr vollendetes Gegenteil ausgeartet. Wohl freut man sich an diesen Tagen, aber es ist nicht die Freude mit der Thora, sondern eine Freude, die durch Uebertretung der Thora erkauft wird. Die Tanzvergnügungen, die sogenannten Simchas-Thora-Bälle, welche die Freude mit der Thora zum Vorwand für die Uebertretung ihrer ^Gesetze nehmen, bedeuten häufig geradezu eine Mißachtung der Thora. Wenn die Freude am Ausgang des Festes iin Gottesheiligtum ihren Höhepunkt erreichte» waren unsere Altvordern, waren die großen Regler unseres Pflichtlebens angelegentlicher als sonst darauf bedacht, die Reinheit der Freude dadurch zu sichern, daß sie .die Geschlechter schieden und so den überschäumenden Freudenrausch vor lleberschreitung der von Sitte und Sittlichkeit gezogenen Schranken sicherten. Unsere Ueberlieferung bezeichnet die dafür getroffeneü Maßnahmen als Sna *ipvi, als besonders bedeutsame Einrichtung, die sie uns in allen Einzelheiten erhalten hat. Diese Schranken »iedcrzureißen und den entfesselten Sinnentaumel im Namen der Thora, als Freude aus dem Gottesfest, als Veranstaltung von Simchas Thora zu legalisieren, ist und bleibt ein so unwürdiges Unterfangen, daß man nicht laut und entschieden genug gegen diesen Mißbrauch Protest erheben kann. Wenn jüdische junge Leute auf solche,