Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1909
- Issue
- 6 (8.1909)
- Date
- 1909-08-01
- Page
- Seite 102 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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Es soll mit Vorstehendem natürlich nicht gesagt sein, daß jedes junge Mädchen Köchin oder Stütze werde, aber das Vorurteil, daß der Beruf der Hausgehülfin weniger achtbar als ein anderer sei, muß endlich fallen. Die Scheu der gering bemittelten Kreise, ihre Töchter dem dienenden Berufe zuzuführen, wird mehr und mehr schwinde», wenn durch eine richtige Schulung der ganze Stand gehoben wird. Bon der Tüchtigkeit der Hausgehülfin hängt ja die Gesundheit und Behaglichkeit der ganzen Familie ab. Darum, ihr Eltern, lasset eure Töchter vor allem für ihren natürlichsten Beruf, für den der Hausfrau vorbilden, strebt sie dann über dieses Ziel hinaus, so stehen ihr noch alle Wege offen, und die erlernte hauswirischaftltche Tüchtigkeit wird ihr im Leben stets von Nutzen sein. Zeigt uns doch König Salomon in seiner Verherrlichung des ruPK das Weib zunächst als selbständige Leiterin und Ordnerin des Hauses, deren wirtschaftliche Tüchtigkeit und Emsigkeit das Hauswesen musterhaft gestaltet und den Wohlstand mehrt, und die dann erst freiwillig zur Genossin der Mühen und der Arbeit des Mannes wird. Von ihr heißt es: mPV'C c'iyra „in den Toren rühmt man ihre Werke." mein erster freitag-flbend beim Militär. Skizze von Gustav vaer, Gemen. An einem Montag mußte ich fort zum Militär. Schweren Herzens nahm ich Abschied von der Heimat. Wenn ich auch frühe daran gewöhnt wurde, in der Fremde mein Brot zu verdienen, diesmal war der Abschied besonders schwer. Nicht nur Heimat, nicht nur Eltern und Geschwister mußte ich verlassen, sondern auch den Weg des religiösen Lebens. Keine Macht, keine Zeit, auch nicht der quälendste Hunger sollten mich zwingen, in der Garnison trefe zu essen, und dieser felsenfeste, unerschütterliche Vorsatz tröstete mich für manches, was ich entbehren mußte. Sehr oft des Tages eilte ich an meinen Spind, um mich von dem Vorhandensein meiner Tefillin zu überzeugen. In der Frühe des Morgens stand ich im Dunkel des Kasernenhofes mit aufgesetzten Tefillin und betete die Teile des Morgengebetes, die ich auswendig konnte. Ich wäre in den ersten Tage» schon seelisch zu Grunde gegangen, hätte ich nicht beten, hätte ich nicht Mut und Kraft im Gebete sammeln können. — Gerne wäre ich Soldat gewesen, — hätte sch Jude sein können. Schon war ich vier Tage Soldat und nun kam der Freitag. Wir wurden znni erstenmale auf den großen Exerzierplatz geführt, i» dessen Sand in, Laufe unserer Dienstzeit noch mancher Schweißtropfen perlen sollte. Der Rückweg führte uns an der Synagoge vorüber, deren Tore weit geöffnet waren für die frommen Scharen, Hatte ich mich mit manchem