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Jüdischer Volksbote · 1909-08-01 · 6 (8.1909) · p. Seite 101

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Journal
Jüdischer Volksbote
Volume
1909
Issue
6 (8.1909)
Date
1909-08-01
Page
Seite 101 (sequence 17)
Language
German
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101 aber ohne Internate und deshalb haben diese Schulen nur lokale Bedeutung. In Frankfurt a. M. wirkt seit 12 Jahren die »Jüdische Hanshaliuug? schule" (Fahrgasse 146 im ehemaligen Rothschildschen Geschäftshause, dadurch die Munificenz der Herren von Rothschild der Schule überlassen wurde) ohne diese Einschränkung mit gutem Erfolg. Die Anstalt hat die Aufgabe, jüdische Mädchen in allen hauswirtschaftlichen Zweigen so auszubilden, das: sie mit den erworbenen Kenntnissen und Fertigkeiten zunächst als Hausgehülfinnen tätig sein können und weiter als zukünftige Ehefrauen ihren Haushalt mit geringen Mitteln sparsam und vernünftig zu leiten verstehe». Die Anstalt ist ein Internat, gibt ihren Schülerinnen, die meist vom Lande kommen, vollständige Pension und bildet sie in einem 6mo»atlichen Kursus fiir den Berus einer jüdischen Hausgehilfin aus. Schulgeld und Kosten der Pension betragen zusammen 150 Mark. Das Mädchen wird also in kurzer Zeit und mit wenig Aufwand erwerbsfähig gemacht. Den ausge bildeten Zöglingen werden durch die-Anstalt einträgliche Stellungen zngewiesen, seit Begründung der Anstalt wurden ungefähr 300 Mädchen ausgebildet, von denen noch der größte Teil sich in Stellung befindet. Stets ist eine größere Anzahl Schülerinnen zur Aufnahme vorgemerkt, als ausgenommen werden kann, und es wäre dringend zu wünschen, daß alle größeren jüdischen Gemeinden Haushaltungsschulen errichten würde».. Nur sollte die Aufnahme in eine Haushaltungsschule nicht vor dem zurückgelegten 15., noch besser 16. Lebensjahr erfolgen; dann erst sind die Mädchen reif, den Lehrstoff, den die Schule bietet, auszunehmen und dem Gedächtnis einzuprägen. Auch das Kochen erfordert Intelligenz, Umsicht und Kombinationsgabe. Auch für Mädchen besserer Schulbildung ist der Besuch einer Haushaltungsschule von großem Vorteil. Denn vielfach, namentlich in Norddeutschland. wird die Küche von sogeüannten Kochfräulein oder Stütze» besorgt, die keine grobe Arbeit verrichten und die übrig bleibende Zeit den Kindern, dem Nähen :c. widmen. Solche Mädchen werden gut bezahlt und sind auch für ihre Verheiratung viel besser vorbereitet, als eine Schneiderin oder Verkäuferin. Gewandte junge Mädchen mit gntenllingangsformen die die rituelle Küche mit all ihren Vorschriften genau beherrschen, werden leicht eine gut bezahlte Stellung als Aufsichtsbeamtin in einem jüdischen Hotel, als sogenantc Schomeres, wie sie der Hamburger Verein zur Förderung ritueller Speisehäuser stets sucht, finden. Nur müßten derartige Beamtinnen, wie auch Haushälterinnen und Wirtschafterinnen nicht nur in der Küche perfectc Kenntniffe erworben haben, sondern müßten außerdem, namentlich da wo sie die Hausfrau ganz zu ersehen haben, auch einige Erfahrung in Kinderpflege, Kindererziehung und Uebung ini Nähen mitbringen. Um der Vermittlung hauswirtschaftlicher Stellungen an jüdische junge Mädchen und Frauen besondere Sorgfalt zuzuwenden hat die Jüdische Frauenvereinigung E. V Frankfurt a. M. Schühenstraße 14, einen kostenfreien Stellennachweis eingerichtet, bei dem stets offenen Stellen in frommen Haushaltungen, Anstalten re. angemeldet sind. (Siehe Inserat!)

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