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Jüdischer Volksbote · 1909-08-01 · 6 (8.1909) · p. Seite 100

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Journal
Jüdischer Volksbote
Volume
1909
Issue
6 (8.1909)
Date
1909-08-01
Page
Seite 100 (sequence 16)
Language
German
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100 der Ausübung des hauswirtschaftlichen Berufes kann die Tochter stets ihrer religiösen Ueberzeugung folgen, die Vorschriften der Sabbathruhe streng beobachten, da gerade orthodoxe Familien zur Beaufsichtigung des Haushaltes orthodox erzogene Mädchen bevorzugen. Auch finanziell stehen sich die jungen Mädchen schon in den ersten Jahren als Hausgehülfin weit bester, wie in jedem anderen Berufe, denn, da sie innerhalb der Familie volle Pension genießen, oft noch reich mit Kleidern beschenkt werden, können sie meist ihr ganzes Gehalt und ihre Nebeneinkünfte ersparen und legen den Grundstock zu einer Mitgift schon zu einer Zeit, in der. die angehende Schneiderin, Modistin, Verkäuferin noch zu ihrem Unterhalt auf den elterlichen Zuschuß angewiesen ist. Zn betonen ist auch, daß die Arbeit der Hausgehülfin, weil sie vielgestaltig und mannigfaltig beständig zwischen Ruhe und Bewegung wechselt, für das Heranwachsende Mädchen viel gesunder ist, als die Arbeit hinter Näh- oder Schreibmaschine, und daß die Tochter inmitten einer Familie ungleich kräftiger ernährt wird, als wenn sie sich selbst verköstigt. Der Schutz der Familie umgiebt sie hier, sowohl das Beispiel der Umgebung, wie der Zwang, behüten sie vor vielen gefährlichen Einflüssen, denen andere alleinstehende Mädchen ausgesetzt sind. Alle diese unanfechtbaren Vorteile sollten sich doch die Eltern bei der Berufswahl ihrer Tochter vor Augen halten und in der Tat haben auch die Mädchen, die ihre hauswirtschaftliche Tüchtigkeit schon in fremden Familien erprobt haben, am meisten Aussicht auf eine baldige gute Versorgung durch die Ehe, denn nicht nur daß die frühere Hausgehülfin sich eine schöne Aussteuer nnd eine kleine Mitgift erworben hat, so erwarten sich auch die Heiratskandidalen von ihrer Tüchtigkeit und Anpassungsvermögen eine geordnete nnd sparsame Haushaltfübrung, die viel zum häuslichen Behagen beiträgt. So haben sich von den früheren Zöglingen einer jüdischen Haushaltungsschule nach statistischen Erhebungen innerhalb zehn Iahen 25% in einem Durchschnittsalter von 2 l Jahren verheiratet, während die in anderen Berufen stehenden Mädchen später und seltener zur Ehe kommen. Aber auch für den hauswirtschaftlichen Beruf ist heute eine gute Schulung notwendig. Es genügt durchaus nicht mehr die Tochter nur in Elternhause anzuleiten, denn dort lernt sie nur eben das, was die Mutter selbst kann, und dann — die Mutter ist nicht imnier die beste Lehrmeisterin. Noch weniger ist es zu befürworten, daß das Mädchen ohne jede Vorkcnntnisie in eine Stellung geht.: das kann »nr zur Enttäuschung und Entmutigung auf beiden Seiten führen. Wie heute für so viele Berufe in Fach- und Gewerbe-Schulen eine Vorbereitung gegeben wird, so muß auch die Hausgehülsin. die Köchin in einer Haushaltungsschule sich ausgebildet haben, bevor sie ins Erwerbsleben eintritt. Durch die soziale Arbeit der letzten Jahrzehnte ist dies Bedürfnis längst anerkannt. In ganz Deutschland gibt es Haushaltungsschulen, für Arbeiterinnen wie für bester situierte Mädchen. In jüdischen Kreisen hat zuerst Coeln eine Schulküche für jüdische Volksschülerinnen und speziell im kleinen Maßstab eine Haushaltungsschule gegründet, Breslau, Berlin und Hamburg haben Haushaltungsschulen und Schulküchen,

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