Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1909
- Issue
- 6 (8.1909)
- Date
- 1909-08-01
- Page
- Seite 98 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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98 Kosten sind keine bedeutenden. Einmal verlangen diese Anstalten, ich denke natürlich nur an jüdische, nur sehr geringe Entschädigung für Kost, Logis und. Unterricht, dabei gewähren sie bedürftigen Schülern noch Ermäßigung der Gebühren. Es giebt eine Reihe von Stiftungen in den Gemeinden für Lehramtskandidaten, Talmud-Thora-Vereine geben gerne Beiträge, auch die „Freie Bereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums* unterstützt junge Leute, welche sich dem Lehrerberuse widmen wollen. Auch die Benei-Beris-Logen verhalten sich nicht ablehnend solchen Unterstütznngsgesuchen gegenüber. Kürz, an Geld wird es nicht fehlen. Wenden sie sich an den Rabbiner Ihres Bezirks oder an Ihren Lehrer, daß er sich ein bischen Ihres Sohnes annimmt, und Sie nlerden sorglos seiner Zukunft entgegen sehen können. Freilich fleißig muß er sein, denn es wird im Lehrerseminar viel verlangt und stranim gearbeitet. Aber dies ist ein großer Vorteil für sein ganzes Leben, wenn er an andauernde und eifrige Arbeit gewöhnt wird. Auch religiös und gewissenhaft muß er sein, denn die Hauptsache im Lehrerberufe, selbst wenn er an der Volksschule angestellt ist, bleibt immer seine Eigenschaft als Religionslehrer und Kultusbeamter. Er wird einen schönen erhabenen Beruf haben und wird sich sehr verdient machen können um das Judentum, um die ihm anvertraute Jugend und lim seine erwachsene» Gemeindegenossen und wird, wenn er pflichtgetren ist, in hohen, Ansehen dastehen. Ich wüßte keinen Beruf, der erhabener und edler ist, als jugendliche Menschen selber zu bilden und mit edlem und göttlichem Inhalt zn erfüllen und allen Menschen wohl zu tun.* Als Herr Oppenheimer geendet hatte, stimmten ihm alle anwesenden bei und eine Dame sagte: „Sie haben wirklich recht, Herr Oppenheimer, so wie Sie diesschildern, hat mein Lehrer in meinem Heimatsort gewirkt. Die ganze Gemeinde verehrt ihn und blickt zu ihn, auf, wie zu einem höheren Wesen. Auch von unseren christlichen Mitbürgern wird er hochgeachtet und zu den verehrungswürdigsten Bürgern des Ortes gezählt. Dabei ist es ihm gelungen, seine Söhne gut zu erziehen und angesehenen Berufen zuzuführen, auch seine Töchter hat er gut versorgt und an brave geachtete Männer verheiratet.* Die Fragestellerin dankte Herrn Oppenheimer für seinen guten Rat. Noch lange blieb die Verlobungsgesellschaft zusammen in angeregter Stimmung und als es Zeit war, zum Mincha-Gottesdienst zu gehen, brach alles auf und viele äußerten, daß sie einen so netten Sonntag Nachmittag schon lange nicht mehr erlebt hätten, wie bei der Verlobung von Mathilde Levi. Da sagte Herr Oppenheimer zu den jungen Leuten: „Das könntet Ihr öfters haben, Ihr dürftet Euch nur auch mit Eurer Verlobung beeilen. .Jung gefreit, hat noch nie gereut.* Lachend und kichernd liefen die Mädchen davon.