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Jüdischer Volksbote · 1909-08-01 · 6 (8.1909) · p. Seite 96

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Journal
Jüdischer Volksbote
Volume
1909
Issue
6 (8.1909)
Date
1909-08-01
Page
Seite 96 (sequence 12)
Language
German
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96 den Bauch zusammenschnüren muß. Da nun der Arbeiter, der sich des Riemensbedient, sich bücken nnd oft schwer heben muß, da er also häufig seine Bauchpreffe in Tätigkeit setzen muß, so kann er sich einmal, bei einem Versuch zu heben, plötzlich einen Bauchbruch zuziehen, besonders, wenn er dazu eine leichte Anlage hat. Mit einem Ruck kann der gepriHte Darm zur Bruchpforte heraustreten, während beim gewöhnlichen, Hosenträger das Spiel der Bauchpresse während der schweren Arbeit ein völlig freies ist. Wir wollen hiermit unsere Ausführungen über die Hygiene der Kleidung schließen, und uns nun einem anderen Kapitel der Hygiene zuwenden, das fiir uns Juden seine besonderen Seiten hat: Den Fragen der Ernährung. Jft 3p Bei maU>ilden$ Verlobung.'' Von Dr. M. K. in E. Der Tag der offiziellen Verlobung Mathildens wurde auf einen Sonntag Nachmittag festgesetzt. Es wurden sämtliche Familien von Dingsdorf dazu eingeladen, denn mit allen standen Levis, gut. Zuerst erschiene» die jungen Damen nnd Herren, die Gespielinnen und Gespielen Mathildens, zun, Glückwunsch. Nachdem sie ihre Segenswünsche dargebracht, reihten sie sich um die mit Confekt, Obst, Südfrüchten gedeckten Tische und muntere, vergnügte Gespräche entspannen sich, bei denen den Süßigkeiten und Weinen, die Herr Levi hatte auffahren laffen, niunter zugesprochen wurde. Einige Stunden später rückten auch die „Verheirateten" an. Jetzt wurden die Gespräche schon etwas gehaltvoller. Die Dainen sprachen von ihren Haushaltungsobliegenheiten, vom Kochen und Backen, von dem Aerger, den ihnen Metzger und Bäcker bereiteten, von der Wäsche, von den Dienstmädchen und endlich von der neuen Mode, welcher zu folgen so schwer sei, denn man könne sich doch mit den neuen Sommerhüten, welche umgestülpten Kartoffelkörben so sehr ähnlich seien, nicht in vernünftiger Umgebung sehen lassen. Die Herren wandten sich schon ernsteren Gegenständen zu; sie redeten von den Geschäften, von deren Aussichten, von der Gegenwart nnd der Zukunft. Da kamen auch Herr Oppenheimer nnd seine Fra« aus der Stadt. Levi stellte sie seinen Ortsgenoffen vor und meinte, Herr Oppenheimer sei nicht der letzte, der das Verdienst, diesen Freudentag veranlaßt zu haben, für sich beanspruchen dürfe. Als man sich wieder gesetzt hatte, fragte eine der Damen Herrn Oppenheimer, ob in der Stadt die Verlobungen auch in dieser Weise wie hier gefeiert würden. Herr Oppenheimer antwortete: „Nein, *) Sieh« Nr. 3 und 4 der »volksboten-: »Sollen wir unsere Töchter in die Drotzstadt verheiraten".

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