Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1909
- Issue
- 6 (8.1909)
- Date
- 1909-08-01
- Page
- Seite 95 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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9r> und wenn es verschwände oder durch losere Mieder ersetzt würde, so würden spätere Generationen, die seinen Gebrauch kanm noch kennen, cs ebensowenig vermissen wie die Ohrringe, die unter dem Einfluß eines besseren Geschmacks immer mehr verschwinden. Die durch das Korsejl hervorgerufene Zweiteilung ist willkürlich und unnatürlich. Die wahrhaft edlen Formen einer griechischen Frauenstatue zeigen nichts von einer solche» Zweiteilung. Es ist hier nicht der Ort, die der Hygiene mehr Rechnung tragenden Formen der Frauenkleidung zu besprechen, bei denen die Kleider last in anderer Weise wie bisher z. B. auf die Schultern verteilt wird. Ein kleines Stützmieder ist natürlich nickt zu entbehren. — Zu den beengenden Kleidungsstücken muß zuweilen auch der Kragen gerechnet werden. Während man bei Kindern den Hals möglichst lange unbekleidet lassen soll, da man auf diese bequeme Weise recht viel zur Abhärtung des jugendlichen Körpers beitragen kann, ist bei Erwachsene», ans verschiedenen, hauptsächlich aus ästhetischen Gründen eine Bekleidung des Halses notwendig. Das Halstuch, das sich der Haut anschmiegt, bietet einen guten Wärmeschutz und wirkt daher, ständig getragen, verweichlichend. Diesen Nachteil vermeidet zwar der gestärkte weiße Leinenkrage», der auch unserem Geschmack weit mehr entspricht, als das Halstuch. Aber er ist insofern »»hygienisch, als er in gestärktem Zustande, in dem alle Poren verstopft sind, den normalen Gas- und Wärmeaustausch zwischen der Haut des .Halses und der Außenwelt verhindert. Bei großer Hitze, bei der die Haut zum Zwecke der Abkühlung zu schwitzen beginnt, wird dieser Mangel besonders fühlbar. Wenn wir uns nun über diese Mängel gern hinwegsetzen, weil der Kragen außerordentlich kleidsam ist, so sollen wir ihn wenigstens nicht zu eng und zu hoch tragen, damit wenigstens ein Teil der Halshaut mit der Luft in Berührung bleibt. Es ist wenig bekannt, daß der von der Mode bevorzugte hohe Kragen neben seinen lästigen, auch schädliche Eigenschaften besitzt. Er behindert nämlich den freien Blutabfluß in den dicht unter der Haut gelegenen und sehr dünnwandigen blauen Adern, den Venen, und stört so den normalen Blutnmlauf im Gehirn. Daher ist der hohe Kragen besonders blutarmen jungen Leuten, die an Schwindel leiden, oder älteren, die schon leichte Erscheinungen von Verkalkung zeigen, zu verbieten. Es ist sicher, daß Kurzsichtigkeit durch ihn gesteigert werden kann, weil das zurückgestaute Blut den Augapfel überfüllt. — Endlich wollen wir uns mit der Methode der Befestigung der Beinkleider befassen. Der gewöhnliche Hosenträger, besonders wenn er ans gut dehnbarem Material besteht, ist aus naheliegenden Gründen sehr zweckmäßig. Auf dem Lande und auch unter den städtischen Arbeitern ist leider vielfach noch eine andere Methode verbreitet, die keinen Nutzen, aber viel Schaden stiften kann. Die Befestigung mittels Leibriemen. Die Enlastung der Schultern bei der Arbeit, die in gebückter Stellung ausgeführt wird, läßt sich auch ohne Leibriemen durch bloße Lockerung der Hosenträger erreichen. Der Schaden aber, der unter Umständen angerichtet wird, entsteht dadurch, daß der Riemen, wenn er das Beinkleid festhalten soll,