Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1909
- Issue
- 6 (8.1909)
- Date
- 1909-08-01
- Page
- Seite 94 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/4903180-5965935-5965955--132-4903301- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 94 gen. Dies gälte dann als Neueinstellen und ist verboten. Folgendes weißt Du auch: Am Schabbos darf man nicht den Zucker zuerst in die Tasse werfen und dann den Kaffee darauf gießen, sondern znerst Kaffee eingießen und dann den Zucker hineinwerfen. — Im Falle Du meine liebe Ruth, oder sonst jemand, dem Du diesen Brief zu lesen giebst, im Unklaren über irgend einen Punkt sein solltest, bitte ich Dich dringend, mich darüber zu fragen. Es würde sich über diesen Beweis des Interesses sehr freuen Deine für Dich und das Judentuni treu besorgte Tante Sara. Miene Oer Kleidung. Von Ar. Wen-Iieu. Wir sprachen im vorigen Kapitel von den Nachteilen beengender Kleidungsstücke, besonders der Schuhe n»d des Gummi-Strumpfbands. Wenn schon das letztere, wie wir gesehen haben, gesundheitsschädlich wirken kann, so trifft das in noch höherem Maße für das Korsett zu, weil dieses überflüssige und schädliche Instrument die edelsten inneren Organe zusammenquetscht und in ihren für Leben und Gesundheit so wichtigen Funktionen hemmt. Ein leicht ansitzender Schnürleib ist für gute Haltung des Oberkörpers, besonders als streckende Stütze der Wirbelsäule, von Nutzen. Wird er aber extrem zusammengeschnürt, so entsteht eine tiefe Schnürfurche, die gerade Leber, Magen, Rippen und Lunge trifft — um nur die wichtigsten der beteiligten Organe zu nennen. An der Leber bildet sich unterhalb der Schnürfurche eii^ echter Schniirlappen heraus, und nicht selten werden so die Vorbedingungen für die Entstehung von Gallensteinen geschaffen. Freilich, ist dieses quälende Leiden erst einmal da, dann wird das Korsett beiseite gelegt. Der zusammengepreßte Magen wird in seiner, für die Verdauung notwendigen Bewegung gehenimt. Ferner wird der aus den Rippen gebildete Brustkasten durch das Korsett in eine Form gepreßt, die von oben nach unten zu immer schmäler wird, während sich der normale Brustkasten von oben nach unten verbreitert. Man begreift, daß durch diese Raumbeschränkung sowohl die Herzbewegungen, als vor allem die Ausdehnung der unteren Lungenpartieen, die gerade am stärksten an der Atmung beteiligt sind, gehemmt werden. Wie sinnlos ist ein Kleidungsstück, das den normalen Ablauf der Atmungs- und Verdanungstätigkeit hindert, wieviel sinnloser noch, wenn es von blutarmen jungen Mädchen, die einer normalen Atmung bedürfen, oder von älteren Frauen, deren Herz angegriffen und deren Lunge erweitert ist. Tag ein. Tag aus getragen wird! Wenn nun wenigstens das Korsett zur Gewinnung edlerer Körperformen notwendig wäre! Aber nein, es ist nur eine Modetorheit,