Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1909
- Issue
- 6 (8.1909)
- Date
- 1909-08-01
- Page
- Seite 93 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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geht so weit, daß sie zu essen verboten sind, wenn sie für uns am Sabbat gewärmt worden sind. Nun kommt noch ein dritter Lehrsatz in Betracht. Menschen darf ich für mich am Sabbat nicht arbeiten lassen, wohl aber doch die von selbst ohne unmittelbares menschliches Zutun wirkende Natur. Also das vor Sabbat entzündete Licht darf ruhig am Sabbat weiterbrennen und mir Helle und Annehmlichkeit bereiten. Das vor Eingang des Sabbat entzündete Feuer darf das bereits vor Sabbat-Eingang fertige und heiße Effen für den Freitagabend warm erhalten bis die Essenszeit herannaht. Weiter: das im „Stofchun" „Kachelofen", „Kohlenhafen", oder wie man sonst den „Setzofen" zu nennen pflegt, vor Sabbateingaug entziinvete Feuer darf die Bohnen- oder Erbsensuppe sanit Inhalt während der Freitagsnacht und des Sabbatvormittags kochen und einkochen. Nur Menschenhände müssen davon fernbleiben, sodaß nur die Naturvorgänge walten. Willst D» also „gesetztes" Effen haben, so mußt Du das Feuer, die Kohlen, so Herrichten, das Gas so einstellen, daß es den ganzen Sabbat in der gewünschten Stärke oder Schwäche brennenibleibt. Die Speisen muß man roh oder vollständig gekocht hinein stellen, oder wenn halbgekocht, muß wenigstens ein Stück im Topf ganz roh hineingetan werden. Nun kommen noch einige Nebenbestimmungen hinzu: l) Die Töpfe dürfen nicht direkt auf dem Feuer stehen, sondern müssen durch eine Platte von demselben getrennt sein, 2) Die Kochtöpfe dürfen nicht offen dastehen, sondern müssen unter einem Abschluß stehen, damit es nicht so leicht ist, an dieselben heranzukominen und sie auf- oder zuzudecken oder darin herum zu rühren *). B) Milch und Kaffee inüssen dicht abgeschlossen von dem Behälter für die Fleischspeisen sein, weil sonst bei Setzöfen, die von allen Seiten vollständig geschlossen sind, durch die von den Töpfen aufsteigenden Dämpfe und Dünste eine Vermischung von Fleischig und Milchig hervorgerufen würde, was beide Speisearten sanit den Töpfen unrettbar trepha mache» würde. Kluge Hausfrauen pflegen, um das „Einkochen" von Milch und Kaffee zu verhüten, eiserne Töpfe mit Wasser gefüllt einznstellen und in diese die Milch- und Kaffeekanne zu stellen, ein Verfahren, - das sehr zu empfehlen ist, da man hierdurch diese Getränke wohlschmekkend erhalten und sogar bis auf den Nachmittag warm aufbewahren kan». Es muß natürlich schon Freitag vor Schabbos eine genügende Menge Wasser vorhanden sein, weil man am Schabbos selber das Verdampfte nicht ersehen darf. 4) Wenn Du Vormittags beim Frühstück Kaffee einschenkst und Du die Absicht hast, den Rest Nachniittags zu verwenden, so mußt Du darauf achten, daß Du die Kanne nicht auf den Tisch oder sonstwo niederstellst, sondern, daß Du sic in der Hand behälft und nachdem das Eingießen in die Tassen beendet, direkt wieder in den Schabbosofen znriickstellft. Würdest Du die Kanne auf den Tisch stellen, so darfst D» sie nicht mehr in den Schabbosofen zurückbrin- *) Bei Setzöfe», die auf Gas stehen, dürfe» die KaShahnen nicht frei sein, sodaß man ungehindert darangehcn kann, sie müsie» viclinchr bedeckt sein.