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Jüdischer Volksbote · 1909-08-01 · 6 (8.1909) · p. Seite 91

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Journal
Jüdischer Volksbote
Volume
1909
Issue
6 (8.1909)
Date
1909-08-01
Page
Seite 91 (sequence 7)
Language
German
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91 Das Schwuausfest kommt allein, und kein Symbol ist sein Begleiter. Aber es führt uns ja im Geiste zu Mattan-Tauroh zurück, und wo wäre das Symbol, das groß genug wäre, uns Mattan Tanroh bildlich näher zu bringen. Mattan Tauroh ist das Fest, das in unserem' Herzen gefeiert wird, und es bedarf keiner äußeren Zeichen, uns mit heiliger Freude zu erfüllen. Von dem kleinen Almemor hörten wir sie wieder, die zehn Worte, die über die Erde schreiten, sich die Herzen der Menschen zu erobern, und wir hörten die Nachbrochoh, daß Gott uns die Lehre her Wahrheit gegeben nnd damit ewiges Leben in unsere Mitte gepflanzt. — Die sonnigen Schwuaustage zogen dahin, aber der Sommer blieb beiuns — viele Wochen lang. Und wieder war es Ransch-Chandesch ge worden; ein ernster Monat stieg herauf, und es war zuweilen wie ei» heimliches Frösteln, das uns in des Sommers Heiterkeit überfiel. Die drei Wochen des Ernstes, nenn Tage der Trauer und'schließlich der nermte Aw, der traurigste Tag des ganzen Jahres, da wir uns zur Erde »iedersetzen nnd laute Klage um das verlorene Heiligtum anstimmen. — Wenn. es draußen in der Natur am Herrlichsten ist, wenn alles der Reife entgegeneilt, wenn die Bäume die köstlichsten Früchte trage», und die weiten Felder von goldenen Aehren leuchten — daun setzt sich Israel zu Boden und vergißt all das Schöne, das sich vor ihm ansbreitet und denkt der zerstörten Heimat nnd weint wie ein Kind nach dem Vaterhause. — Aber es läßt die Hoffung nimmer sinken, nimmer verzweifelt es in seinem Schmerze, nnd ans den bedrückten Herze» steigt das Gebet empor: „Führe uns zurück zu Dir, nnd wir wollen znrückkehren, ernenre unsere Tage, wie einstmals . . . Die kleine Schul' des Dörfchens war am Abend des Tischoh-Beaw nicht wieder zu erkennen. Die Tische und Bänke hatte man zu Bode» gelegt, jeder von uns trug ein kleines Licht in Hände», und von der Erde erklangen die Klagelieder, die auf Jerusalems Trümmern einst Jirmijohu, der Seher, angestimmt. — Auch Trauertage gehen dahin — die Lewonoh leuchtete als der Tischo-Bcaw zu Ende war, nnd das Scholom-Alechem, das einer dem anderen triumphierend zurief — es war erfüllt von der Freude, die das Menschenherz empfindet, wenn eine baiige Zeit geschwunden ist. „Ein drittel verzählen sie, ein drittel verfaste» sie'' nnd ein drittel Verblasen sie" — also hat einstmals ein Fremdling in Israels Kreisen den jüdischen Sommer gekennzeichnet — und so ist es. — Nach den Wochen der Sfiroh, nach den Tagen der Klage war der Elul gekommen und mit ihm der Schanfor und seine Macht. Das ist ja der Segen des jüdischen Jahres, daß es immer was zu zählen und zu klagen und zu blasen gibt. — „Die heilige Zeit kommt heran" — so hieß es in meinem Dörfchen, und wer die Wochen nicht gedankenlos vorüberstreichen ließ — er fühlte es, daß des Schaufors Töne zur rechten Zeit wieder gekommen waren. Er dankte ihnen für ihre Botschaft, er ließ sich an jedem Tage erneut er-

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