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Jüdischer Volksbote · 1909-08-01 · 6 (8.1909) · p. Seite 88

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Journal
Jüdischer Volksbote
Volume
1909
Issue
6 (8.1909)
Date
1909-08-01
Page
Seite 88 (sequence 4)
Language
German
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88 Von Gott wird uns gefugt, daß er sich seiner Geschöpfe freut. Tvpia "I Weil er alles überschaut, findet Er alles sehr gut. ins nie nj*n rupy hpk S 3 ns n svi. Für uns sind Untergang nnd Tod, auf die wir allenthalben stoßen, in hohem Grade geeignet, die Freude am Leben zu trüben. Aber bei Gott, der weiß, wie jeder Niedergang zu höherem Aufschwung und jeder Tod zu neuem Leben führt, bei Gott hat die reine, ewig ungetrübte Freude, ihre eigentliche Heimstätte uiyoa nreirn. Wenn uns nahe gelegt werden soll, wie schnell Gott daher die Zeit vergeht, so wird uns gesagt, daß tausend Jahre in Seinen Augen wie ein Tag sind. Aber auch dieses Bild ist eben nur ein Bild, das unserem beschränkten, menschlichen Auffassungsvermögen angepaßt ist. In Wirklichkeit vergeht Gott die Zeit nicht nur schnell, sondern sie vergeht gänzlich. Der ganze Begriff der Zeit, ist ein unserer beschränkten, menschlichen Unzulänglich- M keit angepaßter. Sie nötigt uns, das was geschehen ist, was geschieht w und geschehen wird, für unser Bewußtsein dürftig zu gruppiren. Vor Gottes alles überschauender Allwissenheit gibt es weder Vergangenheit, noch Gegenwart und Zukunft. Er steht über der Zeit, während wir ihrer Macht unterstehen. Wir sind Kinder der Zeit, die den ' Geist der Zeit, den Zeitgeist zum Götzen des Tages erhoben haben, deffen wirklicher und vermeintlicher Macht wir uns nur unter schwerem Kampfe entziehen. Deshalb hat Gottes uns erziehendes Gesetz mitten in die Flucht der Tage Haltepunkte gesetzt, die dem Strom der Zeit sich entgegenstellen, und die dahin rauschende Zeit an ihren Fittichen fest halten. Die Institutionen für das Festhalten des dahinflutenden Moments sind unsere Feste. Unser jüdischer Festmonat ist der Tischri mit feinem Rosch-Haschono, Jom-Kippur und Sukkosfeste. Aber von dem Festglanz, der ihn verklärt, fällt ein Schimmer auf die ihn umfriedigenden Zeitgestade, und vor allem auf den ihn einleitenden Elulmonat. Die sinnige jüdische Vätersitte hat es verstanden, die letzten Tage des scheidenden Jahres künstlich zu verlängern, indem sie uns früher als sonst aus W den süßen Banden des Morgenschlafs vor den no: Sy srr "[So *k o'om ruft. Das Gottessignal des Schofarrufs, der uns an der Schwelle des neuen Jahres vor Gottes Richtertron fordert, trifft schon während des ganzen Elul-Monats Ohr und Herz, um uns für den Augenblick vorzubreiten, an welchem uns Gottes Vaterliebe zurück zu Ihm und unserer vernachlässigten Lebenspflicht ruft. Ein Jahr ist dahin gegangen, seitdem wir in der Scheidestundc des Jom Kippur zum letztenmal diesen Gottesruf vernahmen. Ausgesöhnt mit Gott, mit uns selber und unserer ganzen Umgebung hat uns dieser Ruf ins frische Leben des neu begonnenen Jahres geleitet. Wenn er uns im Elul wieder grüßt, wird er zum stillen Mahner an alle Verfehlungen und Jrrtümer des abgelaufenen Jahres.

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