Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1909
- Issue
- 5 (5.1909)
- Date
- 1909-05-01
- Page
- Seite 80 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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HO Schon seit den ältesten Zeiten ward ein solches Ereignis mit den Gefühlen aufrichtigsten Dankes und inniger Freude begrüßt; bis in unsere Tage blieb der “'jn eines *5D eine wahre mi'S blP nraiB*, eine religiöse Freudenfeier. Und gar in einer numerisch kleinen Dorfgemeinde, deren geringe Mitgliederzaht nicht ohne Kraftanstrengung, nicht ohne manches pekuniäre Opfer sich ein neu geschriebenes Exemplar der heiligen Thora beschaffen kann. Es dürfte wohl auch keinem der hier Versammelten erinnerlich sein, ein Fest wie das heutige in unserer Synagoge begangen, oder auch nur von einem solchen hierorts gehört zu haben. Und eben darum erhöht sich unsere Festesfreude, gerade deshalb schlägt unser Herz höher im Gefühle des Dankes und wir rufen: „'in ir'nw 'in ”*13, Gelobt sei Gott, der diese Zeit uns erleben ließ!" Wir schätzen uns glücklich, daß die Vorsehung es unserer Zeit vorbehiclt, eine so wichtige und wertvolle Mehrung nuferes gemeindlichen Besitzes herbeiznfnhren. Ihn, allein vor allem die Ehre und unfern Herzensdank! — Eine „neue" Thorarolle nennen wir das Buch der Kotteslehre, dem wir den festlichen Charakter des heutigen Tages zumessen! „Ist es" — so möchte ich fragen — „in Wirklichkeit eine „neue" Thorarolle?" Konnte der, der sie geschrieben, auch nur einen Satz, ein Wort, ja nur einen Buchstaben hinzufügcn, der nicht schon in älteren Schwesterexemplaren gestanden? lind hat man nicht, nachdem der Meister sei» Werk vollendete, Sorge getragen für eine nochmalige genaue Durchsicht des Textes, damit auch nicht die kleinste Abweichung Platz gegriffen, wie dies menschlichem Irren ja immer möglich!? — Ja, meine lieben Andächtige», schauen wir den Inhalt an. dann ist cs eine alte Thorarolle, aus grauer Vergangenheit stammt sic, auf neues Pergament schrieb inan das Längstbekannte, es ist — um mit der Mischna zu sprechen — alter Wein, in neue Krüge gefaßt. Und könnte die Thorarolle ihren Mund öffnen, so wüßte sie gar viel zu erzählen; denn ihre Geschichte ist auch die unsrige. Mit der Fahne der Thora zog Israel durch die Jahrhunderte der tränenreichen Vergangenheit, wir trugen die mm, und sie — trug uns! Es war in jenen traurigen Tage», als die römischen Heere die heilige Stadt einschlossen, da schritt ein Greis von ragender Gestalt und ehrwürdigem Aussehen durch Jerusalems Tore, 's:: p pn* - war sein Name. Zum feindlichen Feldherrn hin lenkte er den Schritt, und der Römer wähnte in ihm den längst erwarteten Friedensparlamentär, der die endliche Uebergabe der Stadt anzeigen wolle. Doch wie erstaunt war der Heerführer, als von den Lippen Rabbi Jochanans nur die bescheidene Bitte erklang, der Feldherr möge auf seinem Siegeszuge die Stadt Jabne mit ihren Schulen und Lehrern verschonen. Der Römer willigte ein. Er ahnte wohl nicht, daß er die min gerettet und damit den Bestand Israels gewährleistet habe. Und fragen wir heute: „Wo sind sie doch, die mächtigen Völker des Altertums, das länderumfassende, städtebezwingende Rom und das in Kunst und Wiffenschaft so hochstrebende Volk der Griechen?f Längst sind sie unter-