Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1909
- Issue
- 5 (5.1909)
- Date
- 1909-05-01
- Page
- Seite 75 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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wir zur Heilung einer kranken Körperstelle den Verband nicht auf, solider» neben sie legen, wenn wir im Geschäfts- und Verkehrsleben von der! vorgeschriebenen Zeit auch nur ein weniges abweichen, so wird Niemand diese Abweichungen für kleinlich und nebensächlich ansehen. llnd bei Gesetzen Gottes, deren Bedeutsamkeit unser ganzes zeitliches und ewiges Heben umspannt, dürften wir die gewissenhafte Beobachtung aller einzelnen Vorschriften unwesentlich und kleinlich halten? Das wird kein denkender Mensch im Ernste glauben. Deshalb ist die genaue Kenntnis aller ei» fchlägigen gesetzlichen Bestimmungen die erste Bedingung für ihre treue Erfüllung. I. | Tesillin erfordern für ihre richtige, dem Gottesgese» entsprechende Herstellung eine große Handfertigkeit und eine noch größere Gewissenhaftigkeit. Deshalb bars man Tesillin nicht von umherzichenden. unbekannten Händlern, sondern inir von religiös gewissenhaften Personen kaufen, welche die volle Verantwortlichkeit für das KaschruS der Tesillin übernehmen. Die Vcrfchlungeii, die bei der Herstelllyig der Tesillin vorkomme» sind oft derart, daß cs keinem Mensche» möglich ist, sic nachträglich fcstzustellen. So ist z. Bdie Herstellung der Tinte für das Schreibe» der Tesillin genau vorgeschrieben. Ob solche Tinte ivirklich vcrivendet wurde, ist nicht zu erkennen, wenn die religiöse Gewissenhaftigkeit des Schreibers resp. Verkäufers nicht dafür bürgt- Das Leder und die Pergamente müssen für den Tesillin-Zweck gearbeitet sein, ob das wirklich geschehe» ist, kann Niemand den Tesillin ansehen. Die At^chnitte aus der Thora, welche die Tcfillin enthalten »nd besonders die Gottesnamc» müssen mit der rechten Andacht und Gesinnung und ausschließlich von religiös Mündigen nnd sonst dazu qualificierten Schreibern geschrieben sei», das läßt sich aber ans den Schriftzügen nicht erkennen. ES giebt ferner eine ganze Reihe grober Täuschungen, die mir nach Oeffnen der Gehäuse von Sachkennern festgcsteUt tvcrden können nnd endlich auch äußerlich kenntliche llnkorrcktheiten, die Jedermann ohne weiteres selber erkennen kanti. So mnß z. B. die obere »nd ebenso die untere Seite der Tesillin, die beim Anlcüen auf dem Körper aufsivt ein mit dem Zirkel genau abzumesscndes Quadrat bilden j ebenso die zwölf Näh-Stichc, welche sich auf der »ntern Seite der Tesillin befinden» Auch kann jeder leicht selber sich überzeugen ob die Tefiltin-Gchäusc der Vorschrift entsprechend aus einem einzigen Stücke bestehe», ob da? drei- und vierköpsige - ans beiden Seiten der Kopftefillin bis zum Pergamentbodcn, nicht aber, daß des untere Teil davon bedeckt wird, ob die Riemen mindestens so breit sind wie die Länge eines nnenthülsten Gerstenkorns und so lang, daß sie bei den Handtesillin für die sieben Windungen um den Arm und für die drei Windungen um den Mitteliingcr genügen und bei den Kopftefillin, daß sie auf beiden Seiten bis über die Mitte des störperS und auf der rechten Seite noch etwas weiter herabhängen. Findet man, daß eine dieser Bedingungen nicht erfüllt ist, so sind die Tesillin unbrauchbar tpotzul). Wer solche Tesillin legt, hat die Tesillin-Pflicht nicht nur nicht erfüllt, sondern hat sich noch außerdem der Sünde schuldig gemacht, den Gott, snanien vergeblich bei den .uns genannt zu haben, die man beim Anlegen solcher Tesiltii spricht.