Mannheim
Compact Memory

Jüdischer Volksbote · 1909-05-01 · 5 (5.1909) · p. Seite 72

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdischer Volksbote
Volume
1909
Issue
5 (5.1909)
Date
1909-05-01
Page
Seite 72 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/4903180-5965935-5965954--105-4903275
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

72 dankcnlosen au die Bedeutung derselben erinnern. Peßach hat seine Mazzos, Sukkos seine Festhütte, Rosch Haschono seinen Schofar, aber Schebuoth hat nichts von alledem. Wenn wir uns seine Bedeutung nicht selber in die Seele reden, so wird sie uns nimmermehr ergreifen. Und doch gehen diesem Feste alle äußeren Abzeichen vielleicht nur deshalb ab, weil es keine Handlung, kein Symbol giebt, das die vielseitige Eigenart dieses Festes in seiner ganzen umfassenden Bedeutsamkeit auch nur annähernd anzudeuten oder gar wiederzugeben vermöchte. Die Mazzo in unfern Händen, die Snkko, die uns anfnimmt, der Schoferhall, der Herz und Ohr trifft, sie alle wollen einzelne, bedeutsame Seiten unseres Volkes und Einzellebens zur besonderen Würdigung und Beherzigung uns zum Bewußtsein bringen. Aber wo gäve es ein Symbol, wo gäbe es ein Zeichen und eine Handlung, welche auszusprechen vermöchte was uns rieten rnT*- die allesUmfassende Thora ist, welche uns an diesem Tage vom Sinai geworden. Vom Sinai! Welch' ein ergreifender Beweis für die Göttlichkeit der Thora, wenn wir dessen »och bedürften, liegt doch schon in der bloßen Oertlichkeit ihrer Offenbarung, in der Wüste Sinai! Die abgeschiedene von den Hochmärkten des Weltverkehrs weit abgelegene Wüste, wählte Gott zur Offenbarung seines Willen? und doch hat diese Abgeschiedenheit den Siegeslauf des Gottesgesetzes nicht gehindert. Es hat von der fernen arabischen Wüste den Weg über Länder und Meere in die Geister und Gemüter der Menschen gefunden und findet ihn noch heute, trotz der mehr als drei Jahrtausende, die zwilchen senem denkwürdigsten Ereignis der Menschengeschichte und unserer Gegenwart liegen. Dieses Wort Gottes, das Er in der Wüste an Israel gerichtet hat, ist heute in mehr als dreihundert Sprachen übertragen und seine Kenntnis und Verwirklichung ist zum Maßstab aller Sitte und Kultur geworden. Es ist so sehr das Buch der Bücher geworden, daß es nur schlechthin als „Das Buch", „Die Bibel" bezeichnet und von allen verehrt wird, die nur irgend welchen Anspruch auf Bildung und Gesittung erheben. 'Wenn es wahr ist, daß Bücher ihre besondere Schicksale haben, so verkündet der Stern, der über diesem Buch der Bücher leuchtet, seine Göttlichkeit, auch wenn wir von seinem Inhalt einmal ganz absehen und uns nur an das Buch selbst halten. Sein Besitz hat uns die höchste Würde und die schwerste Bürde auferlegt, hat uns die Hochachtung und den Haß der ganzen uns umgebenden Welt eingebracht, hat uns mit tausendfältigem Tode bedroht und uns gleichzeitig das ewige Leben gesichert. Wenn daher in wenigen Tagen die Stunde wicdcrkehrt, in welcher uns Gott von allen Völkern erwählte, indem er uns seine Thora gab, wenn wir unsere Häuser und Tempel mit den Erzeugnissen von Wald und Flur schmücken um das Gedächtnis der Offenbarung am Sinai

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.