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Jüdischer Volksbote · 1909-04-01 · 4 (4.1909) · p. Seite 64

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Journal
Jüdischer Volksbote
Volume
1909
Issue
4 (4.1909)
Date
1909-04-01
Page
Seite 64 (sequence 14)
Language
German
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— 64 ihren Sinn für ideale Interessen zu gewinnen, damit sie von der Straße und dem Käse weggebracht werden. Aber die anerkennenswerten Bemühungen haben nicht die gewünschten Erfolge. Es erscheinen in der Regel nur wenige Jünglinge, und das sind meistenteils die religiösen. Am ehesten sehen die Lernvereine, wo man aus einem Sepher die Thora im Originale lernt, ihre Mitglieder vollzählig bei ihren Sitzungen zusammen, aber diese Vereine zählen verhältnismäßig wenig Mitglieder. Jedenfalls erkennt man, daß ein guter Fond von Religiosität und Frömmigkeit die Ursache alles Guten und Idealen ist, und wo er fehlt, der Boden ziemlich unfruchtbar ist. Das aber ist sicher, daß die religiöse Unterweisung und Erziehnng im Elternhause aus dem Vanbt, unendlich besser ist, als der Besuch einer Schule in der Stadt, und das Untergebrachtsein in fremdem Hause. Um wieder auf das Wirtschaftliche zurückzukommen, so steht ein junger Mann, der in Vaters Geschäft eintritt, und in dasselbe allmählich hineinwächst und es schließlich von seinem Vater überkommt, bedeutend besser, als ein anderer junger Mann, der bis zu seinem 16. Lebensjahre die Schulbank gedrückt hat und 2 Jahre, als Lehrling dienen, sich als Eommis und Reisender für andere Leute Plagen muß, bis er, wenn es ihm überhaupt gelingt, in der Nähe der Treißig, selbständig wird. Und welche Mühe und Anstrengung kostet es, sich ein eigenes Geschäft zu gründen, wie beginnt da erst recht die Plage und die Sorge! Was für ein RMko geht er ei», und welche Summen muß der Vater in das junge Geschäft des Sohnes hineinstecken, wenn es einen Erfolg versprechen soll. Dafür hat also der Vater sich sein Leben lang quälen und-aus die Mithilfe seines Sohnes im eigenen Geschäfte verzichten müssen, damit er schließlich in dem Alter, wo er sich hätte zurückziehen sollen, erst recht arbeiten darf, um seinem Sohne unter die Arme zu greifen, der, anstatt ihm zu helfen, ihn nur immer Geld gekostet hat. Wie ganz anders stellt sich da sein Vetter, dessen Eltern vernünftiger waren; der hat schon seil Jahren sein ruhiges, behagliches Auskommen, ein schönes Familienleben richtet ihn am Sabbath nach der Woche Mühen wieder auf, und liebe Kinder schmiegen sich an ihn, während der Kaufmann, noch ledig, Tag und Rächt auf der Bahn herumfährt, um sich über Wasser zu halten und eine gute Partie zu machen. Tu hast nicht Unrecht, lieber Freund, sagte Herr Levi nach diesem langen Ergüsse des Stadthcrrn. Auch ich machte diese Beobachtung so im Stillen; aber man kan» sich nie Rechenschaft geben über seine eigenen Gedanken, wenn man keine Gelegenheit hat, sich mit Freunden auszusprechen. Ta bin ich nun wirklich froh, daß ich mit meinen Söhnen meinem eigenen .stopfe gefolgt bin, und sie bei mir behalten habe. Ich erlebe auch viele Freude an ihnen. Nun, mit meiner Tochter werde ich auch Deinem klugen Rate, wie schon gesagt, folgen. Ja, »och etwas habe ich vergessen, sing der Stadtherr noch einmal an. Hast Du Dich bei den Erkundigungen über Heiratskandidaten auch um den Gesundheitszustand der iw Frage kommenden Herren geküminert, und zwar nicht allein darum, ob sie nicht Herz¬ oder lungenleidend sind, sondern auch nach den sog. Großstadtkrankheiten i

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