Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1909
- Issue
- 4 (4.1909)
- Date
- 1909-04-01
- Page
- Seite 63 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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finden, als deine Frau einen hat»? Was hat denn der Beruf in Frage der Achtung und des Ansehens mitzusprecheu 'i Wer sein Geschäft ehrlich und redlich betreibt, es zu was bringt und sich anständig führt, der ist angesehen, mag er, welches Geschäft auch immer treiben. Und wie ich dir schon gestern sagte, hier auf dem Lande bedeutet der Einzelne etwas, in der Stadt ist er eine Nummer im Adreßbuch und im Steuerregister mehr. Ebenso wenig vernünftig wie deine Damen in Bezug auf den zu wäk lcndeu Schwiegersohn sprechen, denken viele Eltern in Bezug auf ihre eigenen Söhne. Da hat der Vater ein sehr gutes Geschäft z. B. wie tu den Biehhandel, der Sohn hätte Neigung, mit seinem Vater hinauszugehen und ebenfalls Viehhändler zu werden, der Vater könnte ihn gut zu seiner luter» stützußg brauchen, da er sich altern fühlt, es täte ihm auch leih, das schöne Geschäft einmal Fremden zu überlassen, allein der hohe Rat der Mama hat den hoffnungsvollen Sprößling für eine „höhere Laufbahn" bestimmt. Der Sohn muß Kaufmann und Stadtherr werden. Anstatt, di ß nun die Eltern ihren Sohn bei sich behalten, was für sic sehr angenehn und billig wäre, für den Jungen aber höchst nützlich und ersprießlich, >nü sc» sic ihn in die Stadt zu fremden Leuten geben, die jedenfalls nicht so uicjC Einfluß auf seine sittliche Erziehung ausüben können, wie die Eltern.; Selbst bei gutem Willen können jene ihn nicht so streng beaufsichtigen und vor schlimnier Gesellschaft und böser Verführung hüten, wie es der eigene Vater, die eigene Mutter imstande sind. Die eigenen Elter» haben also neben W Unannehmlichkeit des Getrenntseins von ihrem Kinde immerfort die hi imlichc Sorge im Herzen, ob der Junge auch brav und rein bleibt. Vom Religiösen ganz zu schweigen! Denn sie haben des öfteren gehört, wie Jungen von 16—17 Jahren, noch bevor sie das „große" Ziel des Einjghrigcn 'erreicht haben, heimlich Wirtshäuser besuchen und dort ganz andere Dinge treiben, als Bibellese». So sehen sie die blassen und abgelebten Gesichter der Lehrlinge und jungen Commis, die zu den ,Festtagen auf Besstch zu ihren Eltern kommen, und deren Blässe und schlechtes Aussehen nicht allein auf eifrige Arbeit und geschäftliche Anstrengung zurückzuführen sinh. So leben also die Eltern in ständiger Sorge um das leibliche und sittliche Wohl ihrer Kinder. Denn gerade in denjenigen Jahren müssen sic von ihren Kindern fern sein, wo die meisten Gefahren an sie hcrantreten, und wo das Auge der treuen liebenden Mutter auf ihnen mahnend ruhen und der Emst des Vaters sie unterweisen sollte. Auch ist dieses Alter für die Religiosität entscheidend. Und gerade die kann am ehesten im Elternhause erworben und erhalten werden. Und sie ist das Köstlichste und Wichtigste, was Eltern ihren Kindern mitgeben können, denn sie erhält den Menschen tüchtig, brav und gesund und macht ihn erst zu einem rechten Menschen; denn!was ist der Mensch, in dem nicht Gottesfurcht wohnt nnd der auf allen seinen Wegen von Gottesfurcht sich nicht leiten läßt? Ein haltloses, schwankendes Rohr, allen Stürmen und Versuchungen preisgegeben. Wie mühen sich Rabbiner, Lehrer, Menschenfreunde, Vereine, die jungen Leute zu einem Jünglingsvereine zusammenzuschließen, sie einer edlen Geselligkeit zuzufahren,