Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1909
- Issue
- 4 (4.1909)
- Date
- 1909-04-01
- Page
- Seite 65 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Wolltest und dürftest Du jedem jungen Herrn deine reine, gesunde Tochter cinvertrauen? Wenn Du doch einmal hören würdest, was die Ärzte unter sich besprechen, wie vielem sie Zusehen müssen, wovor sie, -durch das ärztliche Schweigegebot gehindert, nicht warnen dürfen! Wenn Du mal in verschiedene» humanitären Vereinen hören und lesen könntest, was alles vorgeht und. was man leider nicht hindern und bessern kann! Da würdest Du den 'ersten besten Jungen vom Land, der rote Backen und gesunde Glieder besitzt, sofort wählen. Also, mein lieber freund, ich kann Dir nur raten: „Bleibe auf dem Lande und nähre Dich redlich." Und so mache es auch mit Deinen Kjindern. Siehst Tu, die oberen Zehntausend werden vernünftig, diese fangen an,' Häuser auf dem Lande, ja ganze Güter zu kaufen und dort eines oder mehrere ihrer Kinder als Grundbesitzer und Ökonomen anzusiedel». In Süddeutschland gründen sich sog. Heimstättengenossenschaften, die außerhalb der Städte um billiges Geld Bauplätze erwerben, Häuser bauen, sic ans fünfzig Jahre verkaufen, damit Beamte, Pensionierte, Kaufleute auf dem Lande wohnen können. Diese verbringen dann nur ihre Geschäftszeit in der Stadt, ihre Familien aber lassen sie drangen und begeben sich nach Beendigung ihrer Geschäfte wieder zu ihnen miss Land hinaus, wo sie die freie Zeit mit der Pflege und Bcbailung ihres Gartens verbringen. Warum sollen wir Juden, die wir doch nicht als die Dümmsten gelten, diesen vernünftigen Beispielen nicht folgen?! Inzwischen war es spät geworden. .Herr Lcvi wünschte seinem Freunde gute Nacht und ging nach Hause. Dort hatte er noch eine lange Unterredung mit seiner Frau, welche gespannt seine Rückkunft erwartet hatte. Das Ergebnis dieser Besprechung war — nach einigen Wochen Mathildes ^Verlobung mit ihrem ländlichen Verehrer. Ms unseren Ortsgruppen. Laudenbach-Xarlstadt «Bayern). Mit den beim Frankfurter Vereinstage so warm empfohlenen Familienabenden hat die hiesiege Ortsgruppe der .Freien Vereinigung für die Interesse» des orthodoxen Judentums" einen Anfang gemacht, dessen günstiger Verlauf allen bewies, daß derartige Veranstaltungen großes Verständnis in unsere» Landgemeinden finden In zwangloser Zusammenkunft ivaren beide Gemeinden fast vollzählig erschienen, Mitglieder und Nichtmitglieder unserer Ortsgruppe, obwohl keiner mehr wußte, als daß ein llnterhaltnngsabend anberaumt war; aber hochbefriedigt gingen alle auseinander. Fräulein Ullmann auS Würzburg, eröffnete den Abend mit einem hübschen Prolog, auf welchen der Hauptgenuß deS Abends folgte, das Referat des Herrn Reallehrers Tachauer-Marktbreitüber „Die Stellung der Juden zur^evifion »