Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1909
- Issue
- 4 (4.1909)
- Date
- 1909-04-01
- Page
- Seite 61 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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61 Staub von außen und den Hantschmutz von innen, der zusammen mit dem Schweiß das Hemd paniert, in üch auf, so daß die Poren verstopft werden, »iid die Borteile der Wolle verloren gehen. Ta man außerdem die Berschuiuvuiig der Wolle nicht so leicht bemerkt wie z. Bam Leinen, so verfuhrt das Trage» von Wollwäsche erfahrungsgemäß zur llnsauberkeit, auch kann die Zersevung des Schmutzes leicht die (Entstehung von allerlei Krankheitsstosien begünstigen. llbrigtns vertragen manche Menschen mit emvsindlicher Haut keinerlei Wollwäsche, auch die sankerste, auf dem nackten Körper. Was die Säuberung der Wolle anlangt, so reinigt erstens die Waschung solche Wäsche nicht genügend, außerdem läuft die Wolle ein, zumal wenn mit heißem Wasser gewaschen wird, verfilzt, verliert ihre Porosität »nd damit all ihre Vorteile, vor allem die Fähigkeit, Wasser ansznnehmen. Auch wird Wolle leicht abgenutzt, und ihr Preis ist höher als der von Leinen »nd Baumwolle- Der schlimmste Nachteil aber ist folgender: Wollwäsche verweichlicht den Körper- Wcrabe dadurch, daß sie so schonend die Abkühlung des Körpers besorgt, verlernt sich das, was wir im vorigen Aufsatz als »die Reaktions'äbigkeit der Hanl" bezeichnet und erklärt haben. (Line leichte plötzliche Abkühlung, der ein an Wollwäsche gewöhnter Mensch in einer Zeit ansgesetzt ist, wo er keine Wolle trägt, und die ei» gesunder, normaler Mensch spielend überwinden würde, führt bei ihm zu einer Erkältungskrankheit, weil seine Haut das feine Spiel des „RegnlierungSnpparates" nicht mehr beherrscht- Anders die Pstanzengewebe; das Leinenhemd, die baumwollene Unterhose. Gewiß, sie sind weniger porös- Daher bieten sie weniger Schutz gegen Kälte als' die Wolle. Und gerät der Körper in Schweiß, so ist das Leinenhemd sehr bald .putsche naß"; dann kann der übrige Schweiß nicht mehr ansgesaugt werden, und außerdem gibt das Hemd die Flüssigkeit ebenso schnell wieder an die Luft ab, wie sie sie ausgenommen hat. Das hat eine allzurasche Abkühlung der Haut und damit unter Umstände» eine Erkältung oder doch wenigstens ei»,Frösteln zur Folge. Dafür aber ist das Leinenhemd sauberer, billiger, waschbarer und erfrischender als das wollene, vor allem aber: es schützt vor Verweichlichung. Tie Leinenwäsche unterstützt zwar die „Reaktionsfähigkeit der Haut soweit da? in unserem Klima nötig ist, aber nicht soweit, daß diese Fähigkeit halb überttüsiig wird und verloren geht- Wir werden daher im praktischen Leben so verfahre»: Wir werden wollene Unterwäsche dort empfehle», wo entweder die Liffttemperatur sehr stark schwankt, ober wo jemand gezwungen ist — z. Bder Ma»«r oder der Landarbeiter in kühlerer Jahreszeit — in der frischen kalten Luft eine Arbeit zu verrichten, die ihn zuweilen in Schweiß bringt, besonders wen» die Arbeit zeitweise von größeren Ruhepausen unterbrochen werden muß. Auch dort ist Wolle zu empfehlen, wo Hautpflege und häufiger Hemdwechsel nicht gefordert werden kaim. Vor allem aber bei jener großen Gruppe von Menschen die eines besonders großen Wärmeschutzes bedürfen- Da sind zunächst die alten Leute, die — aus allerlei Gründen — mehr Wärme brauchen, als jüngere, »nd bei denen der „Regulierapparat" der Haut nicht mehr zuverlässig arbeitet, da sind ferner die blutarmen, auffälligen Kinder, bei denen jener Apparat noch nicht genügendausgebildet ist-, endlich all jene Menschen, die leicht zur Erkältung neigen, die sich viel mit Schnupfen »n- Husten plagen, die an Rheumatismus oder Brustkrankheiten leiden. Doch ist bei dieser letzten Gruppe von Menschen schon imner von Fall, zu Fall zu erwägen, ob nicht allzu-