Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1909
- Issue
- 4 (4.1909)
- Date
- 1909-04-01
- Page
- Seite 58 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Bascholaum Crl Rom Wenissoh, so stieg cs mit kindlicher Innigkeit und hoffnungsfreudigster Zuversicht zu dem Spender des Schekel-Gesetzes empor. Hatte Parschas Schekolim das Band neu geknüpft, das die jüdischen Herzen alle verbinden soll, so brachte uns Parschas S o ch a u r eine andere ‘ Gabe und eine nicht minder große. „Denke was Dir Amalek getan hat" — so lautet das Wort unserer Tauroh. Es ist Amaleks Prinzip, das Du nimmer vcrgesien darfst: denn Amalek ist der Genius der rohen Gewalt, des Menschenhasses und der Selbstvergötterung, Tu aber, Israel, sollst der Hohe Priester des Friedens, der wahren Liebe und deines ewigen Gottes sein. Es gibt nur einen Weg, und daß Du diesen einen immer wandelst: Sochaur es ascher osoh lecho Amolek. — Zwischen diesen beiden Parschiüus aber hatte der Chaudesch A seinen Lauf begonnen, der das Siegel der Freude trägt, und an desicn vierzehnten Tage die Häuser Judas von lautem Jubel widerklingen. Auch bei uns >var die Freude groß — die Purimfreude. — ,\cf) möd)t sagen, sie war größer und allgemeiner wie man sie in den Städten und besonders in den großen Städten findet. Denn die Unrast der Städte fehlte. Das Leben auf den Dörfern geht seinen langsamen Gang, man kennt nicht den Wettlauf aller gegen alle, und wenn ein Festtag kommt, und sei cS auch an einem Wochentage, so wohnt die Riche und der Frohsinn in ollen Häusern. Auch dieser Purim war ein Werktag, und die Arbeit ward nicht vergeben, aber sie war doch nicht das Zeichen des Tages, der die Freude mitgebracht. — Vom frühen Morgen an, war der Scherz die Losung, einer schickte dem anderen Schlauach Monaus, und wenn es auch keine kostbaren Gaben, und wenn es auch oft nur ein paar Früchte waren — sie wurden mit Freude gegeben, und die Freude nahm sie an. — So war der Mittag herangekommen der uns alle zu der Szudoh zusammenrief. Von ihr, die Stunden währte, brauche ich freilich nichts zu sagen. Eine Purim-Szudoh bleibt eine Purim-Szudoh, wo immer sie gefeiert wird. Ein Gang löst den anderen, und eine Flasche die andere ab, und so muß cs fortgehen, bis man den Haman unseligen Angedenkens voll Liebe ins Herz geschlossen und Mordechai, Judas Retter grimmig zu hasien beginnt. Db es wirklich so weit kam — ich weiß es nicht. Die Schatten des Abends dämmerten, als wir uns für kurze Zeit trennten, um uns dann in großen Kreise wieder zusammen zu finden. Spiel und Scherz ward nun die Losung, Masken trieben Allotria, lustige Lieder erklangen, bis man mit schwerem Kopfe zu Bette ging. Manche meinten, es sei sehr spät, andere sagten, es sei sehr frühe — und beide hatten Recht. — — — Das war unser Purim und ungern sahen wir ihn scheiden. — Aber von Purim führt ein glatter Weg zum N i ff a n m o n a t und zu ihm wanderten wir gerne. — I Ein Sabbat noch ist der Merkstein auf diescni Wege, und wenn Scbekolim uns gelehrt, daß wir in Treue zusammenstehen sollen, wenn Sochaur uns ermahnt, unsere jüdische Aufgabe nimmer zu vergessen, so hält