Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1909
- Issue
- 4 (4.1909)
- Date
- 1909-04-01
- Page
- Seite 56 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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„vollständige Zuverlässigkeit durch da» Seugni» eine» gesetze-. . „treuen Rabbiner» feftgeftellt ist. So gewiß man heutzutage kein Fleisch, keinen Wein u. dergl. genießen darf, wenn deren Kaschrus nicht von vertrauenswürdiger Seite bezeugt ist, so gewiß oder in noch viel höherem Grade ist diese Vorsicht für den Genuß don Mazzos an Peßach geboten. Tiefe Mißstände sind nicht neu; aber sie traten in früherer Zeit nur vereinzelt auf und haben damals, sobald sie bekannt ivurden, sofort die gebührende Rüge erfahren. Heute aber ist der ' frsvole Leichtsinn, der sich gerade bei Bereitung der Mazzos geltend macht, leider so vielfach verbreitet, wie die Stimmen seltener ge- A worden sind, welche sich gegen diese Kalamität erheben. d Aber auch für die dritte Pflicht, die uns der Peßach bringt, c'"se rx'Y’3 ibdS vom Auszug aus Mizrajim zu e r z ä h l en, könnte ein anregendes, belehrendes Wort viel Gutes stiften. Dieser Pflicht kann allerdings auch ohne das gesprochene Wort leichter selbst von dem Unkundigen genügt werden, weil es nicht an Ausgaben der Peßach-Hagadah fehlt, die in allen lebenden Sprachen dem hebräischen Text Übersetzung und Erklärung beigefügt haben. Aber die Erfahrung lehrt trotzdem, daß in vielen Familien, welche die Seder-Abende formell nach Vorschrift begehen, doch die echte, rechte Gesinnung nicht stark genug ist, um die Lauheit und Gleichgiltigkeit zu überwinden, welche die rechte Erfüllung vieler Mizwoth, besonders aber die hier in Rede stehende, so wesentlich beeinträchtigt. So wesentlich auch jede Mizwo darunter leidet, wenn sie kalt, formell und ohne Bewußtsein ihres inneren Gehaltes geübt, wird, so treten diese Mängel doch vielleicht nirgends so empfindlich, als gerade bei diesem Anlaß zu Tage. Die Sederabende sind doch ganz eigentlich dafür eingesetzt, um durch das mit der vollzogenen^ Tat verbundene Wort den Geist zu wecken, uns, und vor allem unsere Kinder durch Fragen und Betrachtungen zu tieferem Eindringen m den Geist der Gottesgesetze anzuregen. Wenn auch diese Pflichten nun wie angelerntes Menschengebot geübt werden, was soll man dann von der Erfüllung der übrigen Gottesgebote erwarten, die täglich, ja stündlich im Laufe des ganzen Jahres an den jüdischen Menschen herantreten? Es wäre daher gewiß freudig zu begrüßen, ivei'.n in den Wochen vor Peßach von unseren Herren Rabbinern und Lehrern die Hagadah schel Peßach zum Gegenstand fortlaufender Vorträge in der Synagoge und in den Chewrot gemacht würde, immer im Hinblick auf die Sederabende, um ihnen eine würdige, weihevolle und nachhaltige Feier zu sichern. Andeutungen über die Art und Weise der Behandlung dieses Themas lassen sich hier nicht wiedergeben. Sie wird sich in jedem einzelnen Falle nach der Individualität des Vortragenden und nach dem Niveau der Zuhörer richten müssen, wenn sie wirkungsvoll sein soll. Aber wir besitzen