Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1909
- Issue
- 4 (4.1909)
- Date
- 1909-04-01
- Page
- Seite 55 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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- 5)5 Daß der Verkauf ein nach dem Gesetz der Thora und dem bürgerlichem Gesetze gütiger sein muß, braucht nicht erst gesagt zu werden. Daß er von seiner Giltigkeit nichts verliert, durch die Möglichkeit, Wahrscheinlichkeit und selbst Gewißheit seiner Annullierung nach Peßach, liegt für jeden, der die Usance unserer geschäftlichen Praxis kennt, so auf der Hand, daß es nicht erst betont zu werden braucht. Der Zweck dieses Verkaufs, am Peßach nicht im Besitz von Chomez zu sein, wird dadurch vollkommen erreicht, wenn nur alle Bestimmungen des Rituals genau befolgt werden. Aber diese Bestimmungen müssen eben von den dazu Berufenen gelehrt und erklärt werden. Auch in den jüdischen Schulen müßte diesem Gegenstand viel mehr Zeit und Aufmerksamkeit gewidmet werden, als es meistens der Fall ist. Nicht weniger, als die Beseitigung des Chomez, wäre es Pflicht der Rabbiner und Lehrer in Ansprachen an ihre Gemeinden vor Peßach die Aufmerksamkeit auf die Beschaffung von solchen Mazzos zu lenken, welche die-Garantie bieten, daß sie in der Tat auch diesen Namen verdienen, indem sie den religionsgesetzlichen Anforderungen entsprechen. Wird diesen Anforderungen nicht entsprochen, so hat man die Pflicht des Mazzogenuffes am Peßach nicht nur nicht erfüllt, sondern man hat sogar Chomez am Peßach genossen! Der religiöse Verfall, der in unserer Zeit so große Dimensionen angenommen hat, macht sich auch hier in betrübender Weise geltend. Während die Herstellung der Mazzos früher Sache einer jeden Familie war, ist sie heute zum Gegenstand einer Industrie, geworden. Wie die Dinge nun einmal liegen, wären die Bäckereien, welche Mazzos Herstellen, mit Freuden zu , begrüßen, wenn sie j wirklich die Vorschriften der Thora unverändert befolgen. Bei einem Teil derselben ist das auch erfreulicherweise der Fall. Hier bedarf cs weniger einer Ermahnung, als einer fortwährenden, sorgfältigen Beaufsichtigung. Leider aber verfährt ein großer Teil der Mazzobäckereien dabei in so unverantwortlicher Weise, daß es dringende Pflicht ist, die Aufmerksamkeit darauf zu lenken. Die Käufer lassen es sich ihr gutes Geld kosten, in dem Glauben, dafür nun wirkliche Mazzos zu bekommen, mit ivelcheu sie der von Gott gebotenen Pflicht genügen können. Sie erhalten aber in vielen Fällen solche Mazzos nicht, da diese vielfach Chomez sind, dessen Genuß am Peßach so streng untersagt ist. Die dabei häufig zu Tage tretende Fahrlässigkeit und offenkundige Täuschung des Publikums, berechtigt nur allzusehr die Notwendigkeit, es wiederholt auszusprechen: „wer am pestach wirklich Mizwar-Mazzo erfüllen, und . „nicht befürchten will, statt dessen Chomez zu geniesten, der „darf seine Mazzos nur von einer vücherei beziehen, deren