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Jüdischer Volksbote · 1909-01-01 · 3 (1.1909) · p. Seite 51

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Journal
Jüdischer Volksbote
Volume
1909
Issue
3 (1.1909)
Date
1909-01-01
Page
Seite 51 (sequence 17)
Language
German
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öl — Theater gekommen ist? Vielleicht 20 mal und davon entfallen auf das erste Jahr 5 mal, also ungefähr alle anderthalb Jahr einmal und dazu war besondere zwingende Veranlassung durch Besuch, z T. Kundenbesuch notwendig. Das Leben in der Stadt läßt weder soviel freie Zeit, noch soviel überflüssiges Geld übrig, um diesen Dingen, die ich wirklich auch schätze, nachzugehen. Meine Töchter, die auch schon flügge sind, haben noch keinen einzigen Ball mitzumachen Gelegenheit gehabt, denn sowas ist in der Stadt selten; nur die obersten Zehntausend können sich des gestatten, indem sie Hausbälle arrangieren; der Mittelmann kann sich das nicht leisten. Hingegen bei Euch auf dem Lande fehlt es ja nicht an derartigen Unterhaltungsgelegenheiten, Ihr habt Euer Purim-Vergnügen, wo sich die junge Welt und im Anschluß daran auch die alte Welt köstlich amüsieren und wovon man noch den ganzen Winter zehrt. Da giebl es auch keinen Unterschied zwischen Reich und Arm, da ist allesgleich, da gilt nur Schönheit, Anmut und guter Ruf. Es sind harmlose Vergnügen, die harmlos und zwanglos genossen werden. Wie oft muß ich meinen Töchtern erzählen, wie ich und meine Altersgenossen in unserem trauten Heimatorte uns so köstlich amüsiert haben, und sie seufzen: wären wir doch auch auf dem Lande geboren und aufgewachsen. Freilich, setzte er sinnend hierzu, damals war die Stadtsucht und der Genußteufel noch nicht so lebhaft erwachs wie heute. Es war alles mäßiger, bescheidener, genügsamer und darum heiterer und harmloser. Und um aufs Theater und Konzert zurückzukommen, wenn Deine Tochter so lebhaft 'nach Kunst und nack Befriedigung ihres künstlerischen Sinnes strebt, vor dem ich, wenn er echt und ungeheuchelt ist, alle Achtung habe — wer hindert sie, von hier aus ab und zu in die Stadt zu fahren und das Theater oder die Philharmonischen Konzerte zu besuchen? Ihr habt ja so gute Bahnverbindungen. Gewiß, es mag etwas umständlicher sein mit der Bahn zu fahren, als in die Straßenbahn sich zu setzen, dafür bringt man aber mehr Unbefangenheit mit, mehr Kunsthunger, ein offeneres Gemüt, als wenn man überniüdet nnd überhastet, blasiert und abgestumpft ist, wie die abgehetzten Stadlleute." Herr Levi nickte, er hatte seinen Freund von jeher als gescheidten Mann geschätzt, aber daß er von Kunst und Kunstgenuß so viel verstand, das hatte er. nicht gewußt. „Und was würdest Du zu meiner Frau sagen, srug er den Freund, wenn sie Dich auf die Bequemlichkeiten in der Haushaltung aufmerksam machen würde, wie Gas, Beleuchtung, Heizung?" Darauf sagte der Freund: Das ist allerdings richtig, aber erstens kosten diese Dinge viel Geld, zweitens habt Ihr auf dem Land diese Dinge nicht so nötig, wie wir in der Stadt, denn Ihr habt viel mehr Zeit, Euch ein anständiges Herdfeuer zu machen, als wir hastigeilenden Städler. Und drittens, wenn Ihr nicht so schwerfällig sein wolltet, könnet Ihr dieselben Bequemlichkeiten für billigeres Geld Euch verschaffen. In vielen Dörfern giebt es ja elektrische Kraft, lasset Euch solche Beleuchtung einrichten. Dann giebt es Acetylen, wodurch jeder Hausbesitzer und das seid Ihr ja alle, sich selber sein Gas für Licht nnd Heizung bereiten kann, wenn er einmal die Sacke eingerichtet hat. Tn kannst Dir ja gerade in dieser Wirtschaft, wo wir

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