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Jüdischer Volksbote · 1909-01-01 · 3 (1.1909) · p. Seite 49

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Journal
Jüdischer Volksbote
Volume
1909
Issue
3 (1.1909)
Date
1909-01-01
Page
Seite 49 (sequence 15)
Language
German
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49 hübschen Vermögen gebracht, daS ihm gestattet, seiner heiratsfähig gewordenen Tochter eine Mitgift in Aussicht zu stellen. Es sind zwar im Orte brave, tüchtige junge Herren, die ihr Geschäft gut verstehe», und auch sehr fleißig, solid und sparsam sind, und mit denen Fränlein Mathilde immer gut kameradschaftlich verkehrt hat, aber der Herr Papa und besonders die Frau Mama haben den Ehrgeiz, die Tochter nach der Residenz zu geben, denn dort hat sie ja ein viel angenehmeres Leben zu erwarten, als auf dem Laude. Als sie zu Besuch bei der Tante war, hat man sie zu Gesellschaften eingeladen, wo sie sich sehr gut amüsiert hat; sie ist von Concert zu Theater, von Theater zu Vorträgen gewandert, man hat es auch an Besuchen von Cafe's und Restaurants nicht fehlen kaffen. Fräulein Mathilde ist ganz entzückt von der Stadt.zurückgekehrt, und bei Frau Levi stand es bombenfest, nur in der Stadl kann das „Kind" ein seiner ivürdiges Glück finden. Herrn Levi wollte allerdings der Vergnügens-Rausch seiner Tochter weniger gefallen, er freute sich natürlich, daß seine Tochter so amüsante Stunden und Tage erlebt hatte, aber es wollte ihm scheinen, daß sie nicht gescheidter zurückgekommen war, daß das tiefgründige Gemüt der Tochter, das ihn immer sehr zu ihr hingezogen hatte, etwas seichter und oberfläch - licher geworden war, aber es wurde ihm das doch i^icbt ganz klar, er fühlte es bloß und konnte sich über dieses sein Empfinden nicht unzweideutige, richtige Rechenschaft geben. Dabei wurden solche Erwägungen, die er sich selbst nicht recht gestand, leicht von seiner gesprächigen Gattin, die nicht wenig Wert auf äußern Glanz und günstige Repräsentation legte, übertönt und unterdrückt. Und auch bei Herrn Levi stand es deshalb fest, Thildchen muß in die Stadl heiraten, womöglich nach Frankfurt, wo es noch religiöse junge Leute giebt, und Herr Levi dachte es sich sehr leicht, dort einen frommen jungen Schwiegersohn zu finden, der rer streng sein Geschäft geschloffen' hält. Man präsentierte Herrn Levi in der Tat bald einige junge Herren, die sich dort in den letzten Jahren etabliert hatten und deren Namen in großen Firmenschildern mehr oder wenig auffällig über , den Haustüren und Parterrefenftern prangten. Aber Herr Levi, der seine Tochter gut und sicher versorgen wollte, gefiel sehr vieles nicht. Die Branche schien ihm bei dem einen nicht aussichtsvoll, bei dem andern glaubte er, die Spesen des Geschäftsbetriebes seien höher, als das Geschäft rentieren konnte, bei dem dritten gefiel ihm der ganze Betrieb nicht, und bei deni vierten war er von wirklicher Frömmigkeit nicht überzeugt. Da fügte es sich, daß ein altvertrauter Freund bei ihm einkehrte, mit dem er über alles mögliche und natürlich auch über seinen Herzenswunsch sich unterhielt. Herr Levi klagte seine Not, daß er inimer noch nichts Rechtes in der Stadt gefunden hätte. Sein Freund meinte: „Dieses Kapitel, mein Lieber, ist nicht sogleich erschöpft. Ich will meine Geschäfte besorgen und heute Abend »ach dem Essen wollen wir deine Pläne bei einem Glase Bier und einer Zigarre eingehend und gemütlich besprechen". Der Abend kam, und Herr Levi ging zu seinem Freunde in den Gasthof hinüber. „Ja, warum willst du denn deine Tochter durchaus in die Stadt geben? Habt ihr denn nicht wackere junge Lenke hier ans dem Lande? Soviel ich heute schon gesehen und auch

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