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Jüdischer Volksbote · 1909-01-01 · 3 (1.1909) · p. Seite 46

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Journal
Jüdischer Volksbote
Volume
1909
Issue
3 (1.1909)
Date
1909-01-01
Page
Seite 46 (sequence 12)
Language
German
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Vor tausend Jahren — als die Menschen noch der Vielgötterei huldigten — und vor fünfhundert Jahren — als die Lehre von der Dreieinigkeit noch unangefochten herrschte — lag der Schwerpunkt dessen, was hören sollte, im Worte nnre. Heute geht ein neues Regen durch die Völker, deffen Wirkung und Ausgang noch niemand voraussehen kann. Man ist hier und dort der Dreieinigkeit müde; nun kommen die Menschen darauf zurück, daß jeder sich selbst einen Gott mache, freilich nicht mehr ans Holz und Stein — soviel von seiner Mission hat Israel schon erfüllt — wohl aber einen Gott aus seinen eigenen Gedanken, je nach seinem Belieben Und einigen heliebt es zu sprechen: „es ist kein Gott", sondern ein blindes Naturgesetz waltet; sie vergessen, daß sie Gesetz annehmen, ohne Gesetzgeber, eine Wirkung ohne Ursache. Alle diese verschiedenen Religionen und Anschauungen inmitten der anderen Völker, die oft ,in einer Nacht entstehen und in einer Nacht vergehen", schwirren wie Eintagsfliegen um das Judentum. Hüte dich aber, daß sie nicht ebenso wie einst Heidentum mnd Christentum in deiner Mitte Unheil anrichten! Darum höre, Israel, heute besonders: '.1. der Ewige ist unser Gott; Halte fest daran, der du durch Jahrtausende warst, und betone es mit besonderer Liebe, mit innigem Stolze den modernen fremden Religionsanschauungen gegenüber: irpS« 'n, der Ewige ist unser Gott! Nichts neben Ihm. T „ ~ Landwirtschaftliche Betätigung der deutschen Juden. Referat des Herrn Dr. Arthur Kahn aus Berlin, in der „Commission fiir ländliche Wohlfahrtspflege" am 29. Dezember 1908. Herr Dr. Kahn führt etwa folgendes aus: . Meine Herren! Seitdem die Juden unter dem Regime Napoleons in Deutschland wieder Menschen- und Bürgerrechte erlangt hatten, war das Bestreben weitblickender Mäuner darauf gerichtet, die Juden wieder der Landwirtschaft zuzuführen. Ein zweitausendjähriges Unglück, das uns landflüchtig gemacht, dem Boden entfremdet hat, konnte mit seinen üblen sozialen, politischen und hygienischen und unausbleiblichen physischen Folgen nur ausgeglichen werden, wenn die Judenheit wieder an allen BerufSarten sich beteiligen konnte, die allen Volksschichten in gleicher Weise offenstehen. Hatte der Judenhaß der vergangenen Zeiten unS das Odium des Handels» und IchachergeisteS, wie einen Schandfleck angeheftet, so galt es den Juden als Ehrenpflicht, zu zeigen, daß auch Wiffenschaft, Kunst und Handwerk in unserer Mitte gepflegt und gefördert werden können. Und seit einem Jahrhundert, wenn auch nur bedingter

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