Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1909
- Issue
- 3 (1.1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 42 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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42 Seite zu stellenden religiösen Anforderungen iu der projektirten Anstalt zu Celle gesickert werden kann. Wenn dies der Fall ist, soll in gesetzestreuen lkreisen die Beteiligung an dem Unternehmen empfohlen werden." Iahrerbeitrag. Von seiten eines CommissionsmitgliedeS lag der Antrag vor, den Vorstand der .Freien Vereinigung" zu ersuchen, für die Landbevölkerung den Jahresbeitrag von Mk- 3.— auf Mk. 1.— herabzusetzen. Nach langer Diskuffion wurde der Antrag abgelehnt und zwar aus folgenden Gründen: Die .Freie Vereinigung" hat.jahraus, jahrein viele Tausende für Subventionen an ländliche Gemeinden, für die Vertretung der religiösen Sache vor den Behörden und Parlamenten, für literarische Unternehmen, Ritualien und viele andere bedeutsame Gesamtheitszwecke de? gesetzestreuen Judentums aufzuwenden. Sie kann nur existieren, weil viele Mitglieder nicht Mk. 3.—, sondern fünfzig hundert, zweihundert Mark Beitrag zahlen — aber sie würde auch nicht existenzfähig iein, wenn nicht jeder Mitglied zum mindesten doch den winzig kleinen Beitrag von drei Mark jährlich leistet, der heutzutage für viel weniger wichtige Zwecke leichten Herzens auSgegeben wird! Von vielen Seiten wurde betont, daß man auf dem Lande durchaus nicht so engherzig sei, um drei Mark für die heiligsten Zwecke des imp ~s zu viel zu finden; die übergroße Mehrzahl werde dieses kleine Opfer gern bringen, wenn ne nur sieht, daß die .Freie Vereinigung" sich so wie bisher die Jnterenen des Landes angelegen sein läßt. Vas wort „orthodox". Tie Comminionsmitglieder aus dem Osten bemerken, daß man dort die Bezeichnung .orthodoxes" Judentum in dem Namen der .Freien Vereinigung" nicht gern sehe. Tas klinge vielen Leuten zu .schwarz" und .extrem", und was der abenteuerlichen Vorstellungen mehr sind. Tas Wort erschwere die Propaganda auch aus dem Lande. Cs wird darauf vom Vorsitzenden der Commission erwidert, daß die .Freie Vereinigung" wie jedermann bekannt sei? kein Partei-Judentum vertrete, sondern nichis anderes als das alte, überlieferte Judentum, das Jahrtausende besianden hat, ehe man etwas, von dem Fremdwort „orthodox" gewußt Kat. Ter Gründer der .Freien Vereinigung", der große Geistesfürst Samson Raphael Hirsch ' r, habe das Wort „orthodox" aber mit Vorbedacht gewählt, obgleich er es sonn in seinen für Juden bestimmten Schriften nicht anzuwenden pflegt, weil die Zeitverhältnisse dazu nötigten. Alle anderen Worte wie „überliefertes Judentum", „traditionelles" Judentum :c. werden widerrechtlich auch von denen benutzt, die in Wirklichkeit nicht das überlieferte, sondern ein .reformiertes" Judentums vertreten; das sonst gut passende Wort „gesetzeStreu" aber verstehen die Behörden nicht ohne langen Commentar, während sie bei dem in nichtjüdischen Kreisen gebräuchlichen Worte orthodoxes Judentum sofort wisien.daß wir an den religiösen Lehren und Gesetzen, die unS vom Sinai überliefert sind, keine Veränderung und willkürliche Reform dulden wollen. Die relative Berechtigung dieser Erwägungen nachdem der Name einmal zwanzig Jahre besteht, wird in der Commission allseitig anerkannt. Da» Vorurteil gegen den Namen muß durch die Güte der Sache überwunden werden.