Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1909
- Issue
- 3 (1.1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 38 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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wohlbekannte Klänge, die das Charakteristikum des „Lernens" sind. Über dem Zimmer aber lag ein unbeschreiblicher Schimmer von wohliger Ruhe und geruhigem Wohlsein, der die Herzen alle mit einer glücklichen Zufriedenbeit erfüllte. Am Schabbos-Vormittag war die Synagoge frühe zu Ende und dann gab es Spaziergänge, entweder an den Ufern - des Flusses oder zu den kleinen Gehölzen, die nun schmucklos in dem Winterfriedeu standen und des Frühlings harrten. Noch war nichts von ihm zu merken. Zn der Luft aber kreisten die Krähen und die Raben und ließen ihren heiseren Schrei ertönen, und auch der kleine Bach, über desien Brücke wir schritten,' war 'im Eise erstarrt. Und nur das immergrüne Kleid vereinzelter Tannen erinnerte daran, daß es auch wieder anders werde. Der kurze Schabbos ging bald zu Ende. Auch der Winter-Taanis, Asoroh Betewes, war gekommen und mit den Brüdern in der weiten Welt hatten auch wir das Buch der Slichaus aufgeschlagen und es in den dämmernden Morgen hinausgesungen, daß das Propheienworl Eriüllung finden möge, und der Fasttag des vierten und des fünften und des siebten und des zehnten Monats dem Hause Juda zur Freude und Glückseligkeit werden möge. — Und die Docken zogen weiter, der Tewes mit feinen' kurzen Tagen ging dahin, und am l ö. Sckwa: in Zaum Tauw. Kein großer wirklicher Zaum Tauw freilich, aber dock ein guter Tag,'ein Tag, der mit heiterem Gesichte zu uns kommt und mir beitereu Gesichtern willkommen geheißen wird: ChamischohLsor Wenn der Mittagslisch vorüber war, da gab es nicht, wie gewöhnlich einen schleunigen Aufbruch, denn für diesen Mittag war die Ruhe des „Schabbos nachmittag" zu Gaste gekommen, lieber den Tisch ward ein schönes Tuch gebreitet und darauf wurden daun all die mannigfachen Frückte des sonnigen Südens gestellt,. Es mögen wohl ein Dutzend und noch mehr gewesen sein — sicherlich so viele, wie zu erlangen waren und dann begann ein großes Schmausen, ein Schmausen Leschem Mizwoh. — Chamischod Lsor Beschwat — wir wollen dich feiern. Unser Frühlingsfest, das jüdische Fest der Frühlingswende. Noch in draußen alles kahl und öde, noch ist keine Knospe und kein Blatt zu erspähen — aber dennoch ist der Frühling gekommen.. In den Herzen der Bäume hat er feinen Einzug gehalten, und in wenigen Wochen wird es beginnen, das große Blühen und Keimen. Chamischo Lsor Beschwat — fürs Lebe» wollen wir von Dir lernen. Glicht immer in Frühling und Sonnenschein, nicht immer Nissan und Isar — aber Frühlingsahnen und Frühlinshofien kann immer bei uns sein. Chamischo Lsor Beschwai — Tu Wegweiser in der Geschichte des Judentums! Wenn des Winters trübe Tage in langen Jahrhunderten nicht weichen wollien — die Väter haben ihren Chamischo Lsor allezeit in Treue gefeiert, haben des Jammers der Gegenwart vergessen und des kommende» Frühlings gehofft und geharrt. Es ist anders geworden und besser. Der