Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1908
- Issue
- 2 (11.1908)
- Date
- 1908-11-01
- Page
- Seite 34 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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34 dem Körper hinausstrebende Wärme und giftigen Stoffe mangels einer Luft« Verbindung mit der Außenwelt in den Körper zurückgestaut werden. Wird Schweiß abgesondert, so soll er bevor sich große Tropfen bilden, durch die Kleidung weggesaugt und nach außen hin verdunstet werden. Endlich soll der Stoff die Fähigkeit haben, sich so verarbeiten zu laffen, daß die Kleidung die natürlichen Bewegungen des Körpers nicht hindert. Giebt es ein Material, das all diesen Anforderungen gleichzeitig voll entspricht? Nein! Es giebt also auch keine Kleidung, von der wir sagen könnten, daß fiej stets bei jedem Zustand des Körpers und der Außenwelt, zweckmäßig sei. Es gab eine Zeit, wo man die Wolle für solch ein Material hielt; wir werden aber sehen, daß den großen Vorteilen der Wollkleidung auch Nachteile gegenüberstehen. Wir müffen vielmehr verschiedenartiges Material benutzen, teils aus der Tierwelt (z. B. Wolle), teils ans der Pflanzenwelt (z. B. Baumwolle, Leinen), und müffen je nach der Jahreszeit, sogar je rach der Witterung, ferner je nach dem Gesundheitszustand und der Berufs rrt des Menschen bald dieses, bald jenes Kleidermaterial bevorzugen. Wir müffen aber nicht nur wissen, was uns die Kleidung jiberhaupt bieten soll, sondern auch wieweit die einzelnen Stoffe diesen Anforderungen entsprechen. Schon die Farbe ist nicht ohne Belang: dunkle Stoffe nehmen die Sonnenstrahlen besser auf als Helle, erster« werden daher im Winter bevorzugt, letztere im Sommer. Auch die Dicke der Stoffe ist von- Bedeutung. Dickere Stoffe wärmen bester als dünne und werden daher zu Winterkleidern benutzt; ooch. ist es richtig zu wiffen, daß hierfür nicht etwa allein die Dicke des Stoffes selbst entscheidend ist, sondern die Dicke der ganzen Kleiderhülle, die einen Körper bedeckt, einschließlich der verschiedenen Luftschichten, die sich zwischen den einzelnen Röcken befinden. Drei dünne übereinander gezogene^Kleidungsstücke (z. B. Weste, Rock und Paletot) wärmen beffer als z. B. eine sehr dicke Joppe, deren Stoff ebenso dick ist wie, die Stoffe jener drei Stücke zusammengenommen. Die Luft ist nämlich — und dieser Satz ist nächtig — ein vorzüglicher Wärmeschutz. Die Luft gehört zu jenen Stoffen, die man „schlechte Wärmeleiter" nennt, die Wärme zwar langsam aufnehm! n, aber auch sehr langsam wieder abgeben, die also Wärme lange festhalten, während die „guten Wärmeleiter", z. B. Eisen, sich sehr rasch erwärmen, aber auch rasch wieder abkühlen. Jene drei Luftschichten in der Kleiderhiil e, deren Temperaturen von außen nach innen zu abnehmen, halten also die Körperwärme möglichst lange fest und verhüten bei kalter Luft eine Vergeudung kostbaren Materials. Wir verstehen nun auch, weshalb die porösen, großmaschigen Gewebe, wie die Wolle, so vorzüglich wärmen: weil sie sehr lufthaltig sind; diese Luft gestattet den Fortgang der regulierenden Tätigkeit der Haut, leitet die Wärme aber möglichst langsam ab. Es must eben sowohl zwischen den einzelnen Kleidungsstücken wie auch innerhalb jedes Stückes selbst die Luft circulieren können. In Lederhandschuhen frieren wir im Winter, weil sich zwischen den eng anliegenden Handschuh und der Haut keine Luftschicht befindet. Wir sollen also im Winter lieber mehrere dünnere Kleider Übereinanderziehen, als ein sehr