Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1908
- Issue
- 2 (11.1908)
- Date
- 1908-11-01
- Page
- Seite 33 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/4903180-5965933-5965950--052-4903226- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
83 Herbst ins Land gezogen, und eS dürste ratsamer sein, jetzt von Kleidung, Heizung, Wohnung, Erkältung und anderen hygienischen Fragen zu sprechen, deren Kenntnis gerade für die kalte Jahreszeit von Wichtigkeit ist. Wir wollen daher die Erörterung allgemeinerer Kapitel der Gesundheitslehre, wie Ernährung, Schlaf, Verhütung von Ansteckung, Abhärtung, Genußmittel, u. s. w. auf den Sommer verschieben. Heute sprechen wir von der Frage, wie sich der Mensch am zweckmäßigsten fteibe. Das Wichtigste hierbei ist natürlich die Wahl des Materials, des Stoffes. Um hier in jedem einzelnen Falle das Richtige zu treffen, muß man zunächst verstehen, welchen Zwecken die Kleidung dienen soll. Bekanntlich hat das Blut des gesunden Menschen und das ganze Innere seines Körpers zu jeder Zeit eine Temperatur von etwa 37 Grad Celsius. Wenn nun. das Blut durch die Haut strömt, giebt es an die Außenwelt Wärme ab, die dann im Körper durch Verbrennung von Nährstoffen von neuem erzeugt wird. Je mehr Nahrung der Körper aufnimmt, je größere Muskelarbeit er verrichtet, umso mehr Wärme erzeugt er; im Zustand der Ruhe oder bei geringerer Ernährung erzeugt er auch entsprechend weniger Wärme. An kalte Luft giebt der Körper durch die Haut mehr Wärme ab als an warme Lufk. So sehen wir, daß die Wärmeabgabe sehr fein reguliert werden muß, wenn wir trotz der verschiedenen Temperatur der Luft, trotz verschiedener Ernährung und trotz ungleichmäßiger Verteilung von Arbeit und Ruhe stets im Innern unseres Körpers die gleiche Wärnie haben sollen. Dieser feine Regulierapparat ist die Haut, die eben nicht nur die Bedeckung unseres Körpers darstellt, sondern auch allerlei hochbedeutsame Aufgaben in unserem Körperhaushalt erfüllt. Die Blutgefäße der Haut haben die Fähigkeit, sich auszudehnen und sich zusammenzuziehen. Dehnen sie sich aus, so strömt mehr Blut durch die Haut, es wird daher mehr. Wärme an dic Außenwelt abgegeben: ziehen sie sich zusammen, so strömt weniger Blut durch die Haut, und es wird Eigenwärme aufgespart. Soll noch besonders starke Abkühlung erfolgen, so sondert die Haut Schweiß ab, dessen Verdunstung Wärme entziehend wirkt. Wenn wir nun überhaupt noch der Kleidung bedürfen, so beruht das darauf, daß bei den enorm großen Schwankungen, denen Lufttemperatur, Ernährung, Bewegung u. s. w. unterliegen, diese „Reactionsfähigkeit* der Haut nicht ausreicht. Wir greifen daher zu einem künstlichen Hilfsmittel, um Wärme im Körper aufzustaueu: wir schalten zwischen unsere Haut und die Außenwelt unser« Kleidung ein, die zwischen innerer und äußerer Temperatur eine Art Mitteltemperatur schafft. Ji Diese Kleidung soll aber nicht nur dadurch nützen, daß die Wärme ' aufftaut, sondern sie soll vor allem nicht dadurch schaden, daß sie jene feinen l Fähigkeiten der Haut stört oder vernichtet, ohne welche sich der Körper nie »gesund erhalten kann. Unser Wunschzettel ist also nicht klein: wir verlangen zvon der Kleidung, daß sie der Haut ihre Wärme ausgleichende und ans »dünstende Tätigkeit erhält, ohne sic zur Schweißbildung anzuregen. Dic »Kleidung muß so ^porös*, so lnftdnrchläsiig sein daß sich nicht zwischen VKörper und Kleidung Ausdünstungen ansainmeln, und daß nicht dic ans