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Jüdischer Volksbote · 1908-11-01 · 2 (11.1908) · p. Seite 30

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Journal
Jüdischer Volksbote
Volume
1908
Issue
2 (11.1908)
Date
1908-11-01
Page
Seite 30 (sequence 12)
Language
German
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30 — »darum in dem einem Dorf fast alle Baale-battim sich schon ernähren, in dem andern Schmalhans Küchenmeister ist und so fort. — — Wir beginnen heute mit einem kleinen Aufsatz aus dem prächtigen Büchlein von Heinrich Sohnrey und Ernst Löber: „Das Glück auf dem Lande", das von dem „Deutschen Verein für ländliche „Wöhlfahrts-und Heimatspflege" herausgegeben ist (Preis M. 1.2b) und ans dem auch wir Juden mancherlei lernen können. Mögen sich recht viele Leser im Anschluß an den hübschen Aufsatz zum Worte melden. Es braucht sogar ebensogut, Dorfhandwerker : kein ellenhobes Schaufenster zu sein und darin Fluten von elektrischem Licht; ei braucht kein Schild über das ganze Haus mit Riesenbuchstaben zu laufen. Es gelt für den Handwerker vom Lande auch ohne das alles. Es geht manchmal viel bester als in der Stadt^ Ich sage: Jeder , kann bestehn und braucht die Konkurrenz der Stadt nicht zu fürchten. Natürlich muß er was können. Ein Pfuscher bringt's in der Stadt zu nichts, natürlich auf dem Dorfe auch nicht. Verschiedene Dorfhandwerker habe ich schon kennen gelernt, die tauschen mit keinem aus ihrem Fach in der Großstadt. Das waren aber auch ganze Kerle, die fest auf ihren Beinen standen. Es giebt in der Gegenwart düstere Propheten, die wie der Uhu schreien und einem das gruseln lehren »vollen; die sagen: „Das Handwerk überhaupt ist kaput; und wo's noch nicht kaput ist, da besorgt's bald die Maschine ganz gründlich." Na, dagegen wehren sich erst einmal die Handwerker selbst; denn keiner läßt sich gutwillig auffrcssen; dagegen spricht auch ein gewisser, konservativer Zug unserer Landbevölkerung, der einen soliden Stiefel vom Gevatter Schuhmachermeister dem Mastenfabrikat aus der Maschine noch itumer vorzieht. Und so wird's bleiben mit dem Schneider, dein Maurer, dem Tischler, dem Schmied, Äem Wagner; die alle braucht das Dorf; die machen iieue Stücke, die machen Reparaturen. Und weun das Geld, wie sie wohl klagen, gelegentlich recht fest sitzt, so haben sie doch ihren guten Verdienst, und kommen auch vorwärts. ' Denn einmal haben sie ihren Rückhalt in der Landwirtschaft. Das ist sehr viel wert, wenn ein Teil der Nahrung, Milch, Brot, Eier, K-rtoffeln, ans der eignen Wirtschaft gewonnen wird. Beim Bestellen und in der Ernte legen dir Schneider die Nadel, der Schuster die Ahle beiseite und gehen mit aufs Feld. Das ist ihnen gesundheitlich was nütze, und die j Profession kann's vertragen; sie können ja auch noch den Morgen und die! Abendstunden im Geschäft arbeiten, wenn Not am Mann ist. Und weiter wird mir jeder zugeben, daß der Handwerker auf dem Lande, er sei Schneider, Schmied, Metzger mit geringerer Konkurrenz und mit viel weniglv Unkosten arbeitet als sein Kollege in der Stadt. Aber die Ware, die er fertigt, hält ihren Preis. Die Löhne sind bescheidener, die Miete oder Verzinsung des eigenen Hauses ist lächerlich gering gegen-

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